Kaiserstuhl intensiv

19. Oktober 2010

Nat?rlich ist Wein ein Naturprodukt. Doch das ist erst mal nicht viel mehr als eine Plattit?de. Bedeutung bekommt dieser Satz erst, wenn man die Natur eines Weines erfahrbar macht. Also den Lebensraum, die Lage eines bestimmten Weines erkundet, sich den Zustand der Reben ansieht, den Weinmacher kennenlernt und dessen Philosophie im Glas nachzusp?ren versucht.

Wie sollte das besser geschehen als auf einer mehrt?gigen Wanderung in einem der sch?nsten Anbaugebiete des Landes? Vorbei an den ber?hmten Lagen des Kaiserstuhls wie den Winklerberg, den Schlossberg und den Eichberg f?hrte uns eine Tour von Ihringen ?ber Achkarren, Oberrottweil und schlie?lich nach Eichstetten. Ausschlie?lich zu Fu? bewegten wir uns  durch eine spektakul?re, vulkanisch geformte Landschaft und besuchten einige Meisterwinzer, die nicht ganz zuf?llig auf unserer Wanderroute lagen. Kein schlechter Zeitpunkt: Die hochgelobten 2009er sind noch ?berall erh?ltlich, in einigen Monaten wird sich das nicht mehr ?ber jedes Gro?e Gew?chs sagen lassen.

Nat?rlich stehen hier die Burgundersorten im Vordergrund: Grau- und Wei?burgunder, Chardonnay und Sp?tburgunder. Ausgangspunkt war Ihringen und das bekannteste Weingut des Ortes. Das Weinhaus Heger hat einiges zu bieten. Die klare Frucht, Nachhaltigkeit und gute Balance einer 1999er Wei?burgunder Sp?tlese trocken aus dem Ihringer Winklerberg beispielsweise (89 Punkte) oder der gleich alte Weissburgunder Gro?es Gew?chs, der noch etwas verhaltener ist, aber daf?r gro?e Komplexit?t zeigt (89+). Eine Klasse f?r sich ist der Chardonnay*** aus dem Barrique. Outstanding, wie es international wohl hei?en w?rde, macht dieser Wein sofort s?chtig: viel Exotik, Stachelbeere, Pfirsich. Bei unglaublicher Dichte und L?nge und gleichzeitig klarer Struktur bleibt der Geschmack noch lange Minuten im Mund. Zweifellos einer der besten Wei?weine, den ich aus Deutschland je trinken durfte – 95 Punkte.

Am Abend dann Achkarren. Die Strau?wirtschaft des Weinguts Michel bietet au?erordentlich gelungene Basisweine. Die Topweine gab es dann am n?chsten Tag. P?nktlich um 10:00 Uhr zu ?ffnungsbeginn scharrten wir schon ungeduldig mit den Hufen. H?chste Zeit f?r die eleganten Sp?tburgunder aus der Lage Achkarrer Schlossberg, den wir wenig sp?ter in dichtem Nebel ?berqueren sollten. Doch auch hier wird sehr guter Wei?burgunder produziert, zu bezahlbaren Preisen: die 2009er Sp?tlese trocken*** hat viel Nachhall und L?nge bei animierender Zitrus-Aromatik: 89-90 Punkte.

Auch alle probierten Sp?tburgunder konnten ?berzeugen. Ein Hammer ist der 2008er Sp?tburgunder vom Schlossberg aus dem erstbef?llten Barrique. Nur 10 Trauben pro Stock ergeben einen intensiven Musterburgunder wie aus dem Bilderbuch: lang, stoffig, dabei ?u?erst elegant bei sch?ner Brombeerfrucht, 93 Punkte.

Nichts wird aus dem Vogesenblick in den folgenden Stunden, aber auch bei tr?bem Wetter entfaltet der westliche Kaiserstuhl eine besondere Magie. Einige Betriebe sind bei der Lese. Der leicht r?tliche Grauburgunder und der Sp?tburgunder sind an der Reihe. In Oberrottweil angekommen ist das Weingut Salwey bei uns auf der Tagesordnung ganz oben. Mit zahlreichen Schweizer G?sten erleben wir eine Probe, die wieder f?r zahlreiche Gl?cksmomente sorgt.
Die trockenen wei?en Burgunder aus der RS-Linie mundeten vorz?glich: Wei?burgunder RS 2009, 89 Punkte; Grauburgunder RS 2009, 90 Punkte. Eine echte Preis-Leistungs-?berraschung ist der Sp?tburgunder 2008 aus dem K?sleberg. F?r nur wenig ?ber 10 ? ist er fast auf vergleichbarem Niveau (88-89 P.). In einer anderen (Preis-)Welt hingegen bewegt sich sein gro?er Bruder, das Gro?e Gew?chs aus dem Eichberg Glottertal mit 93+ Punkten.
Dennoch, mindestens so interessant sind die Gro?en Gew?chse aus den wei?en Sorten. Henkenberg und Kirchberg – beide schenken sich nichts. F?r mich minimal vorne: der Henkenberg. Der Wei?burgunder 2009 aus dieser Lage hat erstaunliche Ankl?nge an Orange und besitzt bei aller Substanz eine lebendige Frische (93 Punkte). Der Vulkanverwitterungsboden des Kirchbergs (Wei?burgunder 2009) macht einen Unterschied: feine Mineralik, dabei etwas floraler – 92 Punkte.
Noch etwas besser sind hier die Grauburgunder. Henkenberg GG mit 94+ Punkten und der (hiesige) Eichberg mit 93 Punkten. Was soll danach noch kommen?

?ber Berge, Trockenrasen und durch W?lder f?hrt uns der Weg am n?chsten Tag auf die Ostseite des Kaiserstuhls – und schlie?lich wieder nach Hause. Zwar um einiges ?rmer, aber daf?r auch reicher an Erfahrungen und unvergesslichen Eindr?cken.

Momentaufnahmen, wie sie selten gelingen

6. Oktober 2010

Zwei ganz unterschiedliche Highlights m?ssen heute einfach unbedingt erw?hnt werden: Ein  unbekannter Lemberger, der erst vor wenigen Wochen abgef?llt wurde und ein fruchts??er Riesling auf dem H?hepunkt, der noch vor wenigen Jahren als zwar ordentlich, aber auch nicht weiter beachtenswert galt.

Der 2007 Lemberger von Renate und Thomas Kuntz stammt aus L?wenstein, ist extrem ertragsreduziert und Beere f?r Beere einzeln gezupft worden. Gro?e Mengen sind so selbstredend nicht zu produzieren, daf?r weit ?berdurchschnittliche Qualit?ten. Im Barrique gereift zeigt er typische Lembergernoten wie Bittermandel und etwas Brombeere, dazu eine kr?ftige Holznote, die aber den geschliffenen Charakter des Weines nicht erschl?gt. Viel Luft braucht er bis er sein kraftvolles, aber elegantes Wesen zeigt. Gerade im Vergleich zu den meisten Vertretern der W?rttemberger Topweine, denen die zarteren Aromen durchs Barrique oft ausgetrieben wurden, wirkt er sehr charmant. Ein Wein, der bestimmt eine gl?nzende Karriere vor sich hat: 91+ Punkte.

Georg Mosbachers Riesling Sp?tlese 2001 aus dem Forster Freundst?ck ist derzeit einfach nur ein Traum. Ein unglaublich vielschichtiges Netz aus S??e-S?ure-Geschmackseindr?cken streichelt den Gaumen.  Animierende Grapefrucht- und Weinbergpfirsichnoten t?nzeln auf der Zunge und fordern immer weiteren Nachschub -  Trinkfreude pur. Mit ein bisschen mehr Nachhaltigkeit w?rde der Wein in dieser Verfassung zu den allergr??ten Vertretern seiner Zunft z?hlen. 94 Punkte sind’s allemal!

Gro?e Gew?chse 2009

24. September 2010

schartnergg.jpgEine Auswahl Gro?er Gew?chse aus dem formidablen Jahrgang 2009 gab es f?r Kunden der Weinhandlung Nicolay&Schartner in Stuttgart zu erleben und wie letztes Jahr hat sich die Pr?sentation auch diesmal wieder gelohnt. Zumal das Programm im Vergleich zum  Vorjahr noch mal erweitert wurde. 11 Weing?ter haben vor allem ihre Top-Rieslinge aus 2009 vorgestellt und dazu teilweise noch einige ?ltere rote Spitzenweine. Das stilvolle Ambiente passte ausgezeichnet zu den Geschmackserlebnissen, von denen hier nur die lohnendsten kurz beleuchtet werden sollen:

  • Weingut G. Aldinger Riesling Fellbacher L?mmler 2009
    kernig, Substanz, L?nge, 91 Punkte
  • Weingut G. Aldinger Sp?tburgunder Untert?rkheimer Gips  2005
    gr?nes, aber nicht aufdringliches Holz, gute Balance, 90 Punkte
  • Weingut A. Christmann, K?nigsbacher Idig 2009
    Kalkmergel sorgt f?r ausgepr?gte Mineralik, die einen grazilen Wein nicht schwer macht, sondern unterst?tzt, 92-93 Punkte
  • Weingut Huber, Baden, Grauer Burgunder Bienenberg 2009
    kr?ftige, mineralische Nase, am Gaumen druckvoll, anhaltend, 94 Punkte
  • Weingut Huber, Sp?tburgunder Bienenberg GG 2007
    kr?uter-honig-fruchtige Nase, k?rperreich, 92 Punkte
  • Weingut Georg Mosbacher, Riesling Forster Ungeheuer 2009
    Buntsandstein, Ananas, Pfirsich, Apfel, 91 Punkte
  • Weingut Schnaitmann, Riesling Fellbacher L?mmler 2009
    stahlig, L?nge, 92 Punkte
  • Weingut Schnaitmann, Simonroth MC (Merlot / Cabernet Franc) 2005
    ?hnelt tats?chlich einem sehr ordentlichen Bordeaux, 92 Punkte
  • Weingut Wagner-Stempel, Riesling Siefersheimer Heerkretz 2009
    dezente Fruchtbombe, 92 Punkte
  • Weingut Wittmann, Riesling Kirchspiel 2009
    kernig, Dauer, 93 Punkte
  • Weingut Wittmann, Riesling Morstein 2009
    mehr Rests??e, feingliedrig, ausgeglichen 92+
  • Weingut W?hrwag, Riesling Dezemberlese 2009
    etwas Botrytis, fein, druckvoll und leicht zugleich, 93 -94 Punkte
  • Weingut W?hrwag, Cuvée X (Merlot/ Cabernet Sauvignon) 2005
    wirkt jugendlich, etwas wild, kraftvoll, 90 Punkte