Bordeaux total in Stuttgart

12. November 2009

M?venpick Stuttgart feiert sein 10-j?hriges Jubil?um – sehr zur Freude der Kunden – seit Wochen mit verschiedenen Extra-Weinproben. Darunter auch ein echtes Highlight: der Bordeaux Parcours mit René Gabriel. Ob er der Robert Parker Europas sei, wurde der Bordeaux-Experte und Autor einst gefragt, wohl eher sei dieser „der René Gabriel Amerikas“, so der ?u?erst launige Schweizer. Blockweise stellte der M?venpick-„Consultant“ seine Auswahl an unterschiedlichen Bordeaux-Weinen vor, bevor den gut 100 G?sten Gelegenheit zum Verkosten gegeben wurde. gabriel.jpgEntdeckungen abseits von Medoc und St. Emilion konnte man ebenso machen, wie den gro?en Namen begegnen. Doch vielleicht war es gerade so ein gro?er Name, bzw. die damit verbundene hohe Erwartung, die dazu f?hrte, von einem sehr guten Wein dann doch etwas entt?uscht zu sein. Aus der Karaffe wurde eine Doppelmagnum von Mouton-Rothschild aus 2001 gereicht, die sich zwar unglaublich dicht, fein gewebt mit sch?nen kr?utrigen und ledrigen Aromen pr?sentierte, sich aber keineswegs von seinen weit g?nstigeren „Kollegen“ deutlich absetzen konnte (91-92 Punkte). Gleichwertig oder fast gleichwertig waren Chateau Ferrière 2006, Margaux („ein Traumwein“) und Chateau Tronquoy Lalande, 2005 (ein Cru Bourgeois!) aus St. Estephe. Eher entt?uschend dagegen der 12. und letzte Wein des Abends, ein Sauternes von Chateau Coutet, 2001, aber das ist f?r jemanden, der deutsche Riesling-Beerenauslesen und TBA’s sch?tzt, nicht wirklich verwunderlich.

Das Gros der Weine lag ?brigens in einem ?u?erst moderaten Preisrahmen, zwischen 11 ? (der gelungene Ch. La Tuilière, Les Armoiries“, 2004) und 30 ?. Die Weine aus dem Bordelais bieten einfach, auch ohne teuer zu sein, ein sehr charakteristisches Geschmacksbild, viel mehr als „einen Fr?chtekorb“, den man „viel billiger als Bordeaux“ haben kann, so Gabriel. Quasi aus erster Hand dann noch das Versprechen auf den 2009, der ein ganz au?erordentlich gelungener Jahrgang, „der beste vielleicht“ seit sehr langer Zeit, sein werde. Man darf gespannt sein.

Viel mehr als Riesling – Ann?herungen an die n?rdliche Nahe

3. November 2009

Etwa in H?he der Salinen, s?dlich von Bad Kreuznach, ?ndert sich der Landschaftscharakter pl?tzlich komplett. Auf dem Weg nach Norden weichen die steil abfallenden Felskanten, die eben noch das Bild des mittleren Nahetals dominierten, einer weit ge?ffneten Ebene. Im Hintergrund sind allm?hlich wieder ausgedehnte Weinh?nge zu sehen.

Die n?rdliche Nahe und die Orte Bretzenheim und Langenlonsheim wirken jetzt nach der Weinlese recht verschlafen, laden aber bei der gro?en Winzerdichte nat?rlich trotzdem zu interessanten Weinerkundungen ein. Die erste Entdeckung ist dabei ziemlich unverhofft und umso erfreulicher. plettenberg-grauburgunder.jpgDas gewaltige Gutshaus der Familie von Plettenberg bietet nicht nur f?r die ?bernachtung ein besonderes Ambiente voll zauberhaften, morbiden Charmes, sondern auch eine Grauburgunder Sp?tlese aus eigenem Weinberg. G?ste des Hauses finden diesen sortentypischen, cremigen und ?u?erst eleganten Wein immer gut gek?hlt im K?hlschrank der Besucherk?che vor (Reichsgraf von Plettenberg, Grauburgunder Sp?tlese trocken 2008, 87+ Punkte).

Nur wenige Gehminuten entfernt ist die Strau?wirtschaft des Weinguts Meurer. Zu unschlagbar g?nstigen Preisen kann man dort nicht nur sehr gut und rustikal essen, sondern auch eine Vielzahl von ordentlich gemachten Weinen probieren. Auf der Preisliste finden sich leider ziemlich viele liebliche Weine, aber zumindest die trockenen 2008er Sp?tlesen von Riesling und Chardonnay k?nnen mit viel Trinkfreude wirklich ?berzeugen.

Der n?rdlich gelegene Nachbarort Langenlonsheim beheimatet allerdings die namhafteren Winzerbetriebe. In diesem langgezogenen Weindorf findet man zwar so gut wie keine M?glichkeit, sich f?r anstehende Weinproben eine Essensgrundlage zu schaffen, daf?r aber um so bekanntere Weinerzeuger wie Tesch, B?rgermeister Willi Schweinhardt und den Demeterbetrieb Zw?lberich. schweinhardt.jpgMit 33 Hektar ist das mitten im Ort gelegene Gut Schweinhart zweifellos eines der gro?en. Die unterschiedlichen B?den bringen dabei ganz unterschiedliche Weincharaktere hervor. Sch?n zu „erschmecken“ ist das bei den Rieslingen, von denen vor allem die preisgekr?nte Riesling Terrasse vom Langenlonsheimer Rothenberg 2008 (88+ Punkte) aus dem Rotschieferboden zu nennen ist. F?r unter 10 ? ist besonders der Wei?e Burgunder vom L?hrer Berg (87 Punkte) erw?hnenswert, der dem Grauburgunder um mehr als eine Nasenl?nge voraus ist. Auch auf den Sp?tburgunder versteht man sich hier – bei sehr zur?ckhaltenden Preisen. Schon der einfache 2007er ?berzeugt mit feiner Frucht (86 Punkte) und der Barrique-Sp?tburgunder 2007 fasziniert mit ausgepr?gter Nase und sch?ner Aromenf?lle (88 Punkte). Und das nicht mal f?r 10 Euro! Vieles g?be es hier noch zu entdecken (Cabernet, Merlot, Fr?hburgunder, au?erdem verschiedene edels??e Weine und Br?nde…).

ueber-langenlonsheim.jpgNur wenige hundert Meter entfernt, am Rande der Weinberge, findet sich das Demeter-Weingut Zw?lberich – benannt nach dem Gebiet, das sich hinter dem Haus erstreckt. Von der Probierstube, wo man sich viel Zeit nimmt, reicht der Blick weit ins benachbarte Rheingau hin?ber. Auch hier wird ein breites Sortiment an Rebsorten auf immerhin 20 Hektar angebaut. Doch nicht der Riesling erscheint mir bei der gereichten Auswahl am interessantesten, sondern die Spezialit?ten. Neben einem gut gemachten Auxerrois (QbA 2007, 86 Punkte), der bis in Auslesequalit?t auf der Lage Guldentaler Rosenteich produziert wird, geh?rt dazu eine barriquegereifte Fr?hburgunder Auslese mit rauchigen Noten und L?nge (Langenlonsheimer Steinchen 2007, 89 Punkte). Dem beinahe ?berreif wirkenden Sp?tburgunder aus dem Barrique ist er weit ?berlegen. Der Grauburgunder Alte Reben 2008 (89 Punkte) mit Kraft und Cremigkeit ist ebenso gelungen wie die wei?e Cuvee Z aus Riesling, Grauburgunder und Auxerrois (2008, 88 Punkte), die im Barrique gereift ist. Der kr?nende Abschluss vor einer ausf?hrlichen Kellerbegehung: eine Riesling Beerenauslese aus 2005 (93 Punkte) mit reifem Bl?tenhonignoten und seidiger Eleganz.

Was kann  danach noch kommen? Am n?chsten Tag bei der R?ckreise im Zug nur etwas ganz anderes – die sogenannte Herrenhandtasche. Hauptbestandteil: Flensburger Pilsener, herbw?rzig und frisch, mindestens 90 Punkte und auch aus der Flasche hervorragend.

Ein Wochenende im Oktober

18. Oktober 2009

Irgendwie ist es kein Zufall, dass ein Oktoberwochenende und ein volles Weinprogramm zusammen geh?ren. Die Zeit der Proben bei Weingesch?ften, der Gebietspr?sentationen und der Weinlese f?llt mit der allj?hrlich bei k?hleren Temperaturen wiederkehrenden Lust auf kr?ftige Rotweine zusammen – selbstverst?ndlich ohne dass man sich dabei von den wunderbaren wei?en Tropfen verabschieden w?rde. Entsprechend ertragreich sind diese Wochen also meist bis weit in den November oder Dezember hinein. Dieses Weinwochenende fand allerdings ganz entspannt zu Hause statt. Mit vier Flaschen, die unterschiedlicher kaum sein k?nnten.

wochenend1.jpgSo ist der erste im Bunde auch der deutlich ansprechendste gewesen: Parallel aus dem Napa Valley, ein Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 2005 von dem nur 92 F?sser hergestellt wurden, ist ein absoluter Charmeur. Geschmeidig und geschliffen, bietet er viel Schokolade und ein wenig Brombeer, Kirsch, sogar einen Hauch von frischem Korianderkraut und Butter (90 Punkte). Der Castello di Fonterutoli hat hingegen schon mal besser gemundet. Der 2003er entwickelt sich im Schlusspurt dann doch noch zu einem einigerma?en harmonischen Wein, der einige Attribute eines klassischen Sangioveses aufweist. Leder, Erdigkeit, Pflaume und Volumen machen ihn zu einem vielschichtigen, aber nicht einfachen Vertreter eines Spitzenchiantis (88 Punkte). Deutlich g?nstiger ist eine gef?llige und sich gerade optimal pr?sentierende fruchtige Riesling Auslese (2002) des unbekannten Weingutes Gerlach aus ?rzig von der Mittelmosel. Eine perfekte Rieslingnase verspricht  ein besonderes Trinkverg?gen, das sich auf dem Gaumen dann aber doch nur mit leichten Abstrichen einstellt. Eher einfach gestrickt macht dieser Wein dann trotzdem viel Spa? f?r den gelungenen Abschluss eines Samstagabends (87 Punkte).

Nach der Lekt?re eines der besten Artikel ?ber W?rttemberger Wein der letzten Zeit (Kein Stoff f?r den Massengeschmack, Stuttgarter Zeitung vom 17.10.2009, leider nur in der Printausgabe), bedarf es dann am Sonntag nat?rlich unbedingt empirischen Anschauungsmaterials. Kann ein Lemberger von der Weing?rtnergenossenschaft D?rrenzimmern-Stockheim aus dem Jahr 2002 sieben Jahre sp?ter, auch wenn er im Barrique war, noch ?berzeugen? Das Alter ist jedenfalls kein Problem. In der Nase ?u?erst dezent, am Gaumen rund, d?nn und glatt geb?gelt, wirkt er gef?llig und belanglos. Seine irgendwie eingekocht wirkenden Aromen erinnern noch am ehesten an H?gemark – und lassen bef?rchten, dass der Wein, wie bei so vielen W?rttembergern ?blich, maischeerhitzt wurde. Nun, zum Fleischk?s ist’s egal. (84 Punkte).