Weinslalom mit Hindernissen

18. November 2010

Wieder einmal ist der November ein Highlight im Weintrinkerjahr. Wer diese Zeit im Sp?therbst nur mit Tristesse assoziiert, macht eindeutig etwas falsch. Selten findet man so geballt Termine von Hausmessen und Weinpr?sentationen und ist man an Wochenenden so h?ufig unterwegs wie jetzt. Wer, wie ich, im Einzugsgebiet einer Gro?stadt lebt, hat da gar keine Zeit f?r Tr?bsal und Novemberblues.

Zumal Weintermine auch immer Gelegenheiten f?r interessante Beobachtungen und besondere Erfahrungen sind. Fast schon ein Klassiker unter den st?ndig wiederkehrenden Situationen ist die lebende Blockade.

Variante 1: der „Unverr?ckbar-im-Weg-Stehende“. Garantiert findet man ihn vor jedem Stand, st?ndig mit wieder aufgef?lltem Glas konzentriert ?ber die eigenen Notizen stehend oder den Ausschenker mit banalem Wissen begl?ckend. Geflissentlich ?bersieht dieser Fels in der Brandung, dass er zu Zeiten gr??eren Andrangs mindestens zehn weiteren am Wein Interessierten den Zugang zur Quelle verbaut. Er ist am Ziel. Die anderen sehen das genauso – viel n?her ins Zentrum pers?nlicher Verachtung kann er gar nicht mehr r?cken. Deshalb ist eine wertvolle Erkenntnis die, dass die besten Proben schon am Vormittag beginnen!

Variante 2: Nicht immer braucht es Typus 1, um den Zugang zum gew?nschten Wein zu erschweren. Manch Standbetreuer selbst ist in seiner Leutseligkeit einfach zu anh?nglich um die Umstehenden in gewissen Abst?nden seiner Wahrnehmung zuzuf?hren. Jedenfalls immer dann, wenn dieser einen alten Bekannten trifft. Oder wenigstens einen Gast, der vor etlichen Jahren schon mal auf dem Weingut war und mit dem man sich stundenlang ?ber mittlerweile altershalber oxidierte Sp?tlesen austauschen kann. Das macht dann immerhin zwei Personen gl?cklich.

Nicht immer ist bei Degustationen Hochbetrieb. Umso h?her ist die Kunst derjenigen Ausschenker einzusch?tzen, die es selbst ohne jegliche Ablenkung schaffen, einen Probierwilligen zu ignorieren. Wichtigste Voraussetzung: auff?lliges Vermeiden jeglichen Blickkontakts. Das ist Variante 3. Gut nur, dass es doch noch fast immer gelingt, sich Geh?r zu verschaffen. Und gut auch, dass sehr h?ufig geschultes Agenturpersonal hinter den St?nden steht. Blitzschnell wird das leere Weinglas gesehen und dem Weinwunsch entsprochen. Ohne dass der gespr?chswillige Nachbar in seinen Weisheiten beschnitten werden m?sste. So schafft man dann sogar eine Quote von mehr als zwei Zufriedenen.

Aglianico-D?mmerung

9. November 2010

aglianico.jpgZu testen, was bei einer Rebsorte m?glich ist, wie das Maximum aussehen k?nnte, ist nat?rlich ?u?erst vermessen. An was soll man sich bei der Weinauswahl orientieren, au?er an den Worten von Kritikern, die mit einer Einsch?tzung ?ber das Potenzial von sehr jungen Weinen auch  immer mal daneben liegen? ?ber gr??ere Zeitr?ume hinweg l?sst sich die Qualit?t eines Weingutes und seiner Spitzenweine aber nat?rlich schon ziemlich zuverl?ssig einsch?tzen.

Zwei der folgenden s?ditalienischen Weine haben zu Zweifeln bisher kaum einen Anlass gegeben. Wie sich das heute darstellt und wie sich dabei der weniger bekannte Terredora Taurasi im Vergleich schl?gt, zeigte eine Probe hochpreisiger Aglianico-Weine:

Fatica Contadina, Terredora Taurasi 2001 :
sehr zupackende Tannine, trotzdem saftig, Rapshonig, Karamell, Kakao, Leder, 92 Punkte

Paternoster, Rotondo 2000:
Kakao, Jod, Liebst?ckl, weniger dicht und komplex, eher kurz, 89 Punkte

Feudi Di San Gregorio, Serpico 1999
elegant, kraftvoll, Marzipan, rote Frucht, zupackend, anhaltend, 94 Punkte

Ein Querschnitt mit H?hen und Tiefen

1. November 2010

torres.jpg930 Hektar Anbaufl?che sind eine gewaltige Hausnummer. Entsprechend gro? ist die Vielzahl an Weinen, die von diesem weltber?hmten spanischen Weinerzeuger aus dem Penedès produziert werden: Torres ist in der Weinwelt ein Begriff, zumal dieser Betrieb l?ngst nicht mehr nur in Spanien, sondern auch in Chile und sogar Kalifornien Weinbau betreibt. Einmal etwas genauer hinsehen konnte man k?rzlich in der Weinhandlung Bronner in Ludwigsburg. Dort fand eine Pr?sentation mit acht Weinen (und einem Oliven?l) aus Penedès, Catalunya, Rioja, Ribera del Duero und dem Priorat statt.

Von ca. 8 – 38 ? reichte das Angebot und bunt gemischt waren auch die Qualit?ten. Dank den h?heren Lagen bis 800 m und dem k?hlerem Klima, das in Spanien eine Ausnahme darstellt, gelang Torres ein sch?ner Sauvignon Blanc, der zu einem Viertel im Holz gereift ist:

2008 Fransola Sauvignon Blanc, Penedès
Steinobstaromatik, v.a. Mirabelle, Grapefruit, sch?ne S?ure, mineralisch, k?nnte nachhaltiger sein, 89 Punkte

Auch eine Muskateller-Traminer Cuvée gedeiht in Spanien: 2009 Vina Esmeralda, Catalunya – 86 Punkte

Ein ordentlicher Tapaswein ist der g?nstige 2007 Coronas Tempranillo,  Catalunya. Samtig, Brombeere, Sauerkirsch, Schokolade, leicht pfeffrig, runde Tannine, 87 Punkte

Eher entt?uschend der 2009 Magnolia Cabernet Sauvignon, Catalunya (recht d?nn, gekochte Aromatik, 84 Punkte) und der 2007 Ibéricos Tempranillo, Rioja (nasses Astholz, 83 P.), daf?r ging es danach stetig bergauf mit der Qualit?t:
2007 Celeste, Ribera del Duero, der eine 15-monatige Reifung in franz?sischen Barriques hinter sich hat – Lakritz, buttrig, leichte Rosinennote, 88 Punkte.

Dann folgte der 2007 Salmos, Priorat. Recht streng, Himbeer, Nelke, Pflaumenmarmelade, 89 Punkte

Zum Schluss dann der H?hepunkt: 2006 Mas La Plana, Penedès, 18 Monate Barrique, sehr dicht und komplex, was auch an den f?nf verschiedenen B?den liegt, auf denen die Hauptsorte Cabernet Sauvignon gewachsen ist. Ein Wein mit Mineralit?t, Cassis, Karamell, Kaffee, der an gro?e Medoc-Weine erinnert: 93 Punkte und ein gelungener Abschluss.