Zwischendrin darf die Mosel mal zeigen, was sie am besten kann. Auch wenn es großartige trockene Rieslinge gibt, so sind die fruchtigen Auslesen von dort einfach großes Kino:
Schloss Lieser, Mosel, Niederberg Helden Riesling Auslese 2008 goldgelb, buttrig, viel Karamell, auch reifer Apfel und Aprikose, Honig, kräuterwürzig, Rosinen, guter Trinkfluss, unterstützt durch feine Säure, dicht, ohne schwer zu sein, saftig, im besten Alter, 95 Punkte
Joh. Jos Prüm, Mosel, Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese 2008 hellfarben, etwas Brennnessel, Aprikose und Kakao, Orangenabrieb, schlank und druckvoll, schöne Frische, 95 Punkte
Dr. Hermann 2010, Mosel, Ürziger Würzgarten Riesling Auslese 2010 Grapefruit, weißfruchtig, seifig, Graphit, leichtfüßig, dennoch dicht und lang, etwas rauchig, kernige Säure, 94 Punkte
Das Weingut Tardieu-Laurent zählt zu den besten Weinerzeugern an der Rhône, obwohl es keine eigenen Weinberge besitzt. Ganz offensichtlich hat Michel Tardieu aber das richtige Händchen, um aus dem gekauften Traubenmaterial einiger der besten Parzellen sowohl der südlichen, als auch der nördlichen Rhône, Top-Weine produzieren zu können. Das zeigte sich auch bei zwei der bekanntesten Vertreter der nördlichen Rhône aus dem Jahr 2012:
Tardieu-Laurent, Hermitage 2012 mediterran-kräutrig, dunkelbeerig mit schöner Würze, etwas Graphit und dezente Speckaromen, saftige Säure, 95 Punkte
Tardieu-Laurent, Côte-Rotie 2012 rotbeerig, Teer, Nelke, Rosmarin, etwas ledrig-animalisch, eher schlank und elegant mit Tiefe und gezügelter Kraft, 94 Punkte
So interessant und aufschlussreich Degustationen und Messen auch immer sind, Weingutsbesuche sind durch nichts zu ersetzen, vermitteln sie doch einen viel umfassenderen Eindruck vom Entstehungsort der Weine und den Personen, die dahinter stehen. Der Weinblogger war auf einer kleinen Tour unterwegs, die ihn vom Umland Baden-Badens bis ganz in den Süden der Republik, in das Markgräfler Land, führte – dieses Mal ohne Stopp im Kaiserstuhl. Einen ersten Halt gab es im topmodernen und biodynamisch wirtschaftenden Weingut Kopp in Sinzheim-Ebenung. Idyllisch mitten in den Weinbergen gelegen, ließen sich dort mit Blick auf Schwarzwaldhänge und Rheinebene einige bemerkenswerte Burgunder und mehr verkosten. Wie immer im Folgenden die Topweine:
Weiter ging es dann in das südlich von Freiburg gelegene Heitersheim. Dort produziert das Weingut Zähringer Demeter-zertifizierte Weine und wird zu Recht seit einigen Jahren als Aufsteiger gehandelt – bei absolut attraktivem Preis-Genuss-Verhältnis.
Noch weiter im Süden, in Efringen-Kirchen, liegt das Weingut Ziereisen, das weit über die Region bekannt geworden ist. Hanspeter Ziereisen und seine Frau Edeltraud gründeten vor 25 Jahren als Autodidakten das Weingut und führen es, international sehr erfolgreich, nach biodynamischen Grundsätzen. Die Weine sind absolut eigenständig und nicht unbedingt nach Lehrbuch gekeltert – so erhalten sie beispielsweise nach der Pressung mit hohem Druck sehr viel Zeit zur Gärung und Reifung. Vor allem bei den hochwertigen Burgundern erreichen die Weine viel burgundische Eleganz, Struktur und Finesse. Viel Aufwand, der auch der Markgräfler Spezialitätensorte Gutedel zu Gute kommt, was nicht nur bei Winzerkollegen für viel Verwunderung sorgte. Aber die Ergebnisse sprechen für sich:
Last but not least ging es wieder ein kleines Stück nach Norden, aber auch das Weingut Martin Waßmer befindet sich noch im Markgräfler Land – in Bad Krozingen-Schlatt. Der große Betrieb ist in der Umstellung auf biologischen Anbau und bietet eine hochmoderne Kellerei, aus der so geradlinige wie hochwertige Weine hervorgehen:
Martin Waßmer, Pinot Noir Dottinger Castellberg GC 2022 – 96+ Martin Waßmer, Syrah Dottinger Castellberg 2021 – 95+ Martin Waßmer, Spätburgunder Glottertaler Roter Bur GC 2022 – 95 Martin Waßmer, Spätburgunder Ehrenstetter Ölberg GC 2021 – 94+ Martin Waßmer, Grauer Burgunder Dottinger Castellberg GC 2023 – 94+ Martin Waßmer, Weißer Burgunder Dottinger Castellberg GC 2022 – 94