Warten auf Bordeaux

23. Oktober 2025

Zu den schönsten Aspekten des Weintrinkens gehört, zu beobachten, wie sich Weine im Laufe der Jahre in der Flasche entwickeln. Natürlich sind die meisten Weine nicht dafür gemacht, lange im Keller gelagert zu werden, bei vielen hochwertigen wäre es aber geradezu Verschwendung, ihnen gegenüber schon nach kurzer Zeit übergriffig zu werden. Wenn sich aber gereifte Bordeaux-Weine, zumal aus den Neunziger-Jahren, in irgendwelchen Verliesen finden, ist der Zeitpunkt sicher geeignet, sich diese Exemplare mal genauer vorzunehmen:

Château Pontet-Canet, Pauillac 1995
kräutrig, Pflaumenmus, Leder, grüner Paprika, etwas vegetabil, Kakao, dicht, 93 Punkte

Château Cantemerle, Haut-Medoc 1996
Wacholder, eher grüne Noten, dabei samtige Tannine, schlank, elegant und zupackend, mittlerer Körper, 94 Punkte

Château Sociando-Mallet, Haut-Médoc 1996
Mandelnote, etwas Orangenschale, ätherisch, feines, elegantes Tannin, wirkt frisch und zupackend, schöne Länge, 95 Punkte

Château Lagrange, Saint-Julien 1996
Graphit, etwas Brombeere und Liebstöckel, lebhafte Säure, 93 Punkte

Château Kirwan, Margaux 1997
pflaumig, rotbeerig, Berberitze, dezentes Fruchtgummi, präzise, sehr schlank und gleichzeitig dicht mit großer Länge, 95 Punkte

Italien satt: Weinopen 2025

14. Oktober 2025

Das konnte sich wahrlich sehen lassen: Viel mehr Wein (und manch Höherprozentiges) aus Italien ließ sich auf dem Vorplatz der Weinhandlung Sardovino in Ludwigsburg kaum unterbringen. Bei bestem Wetter präsentierten sich 40 Weingüter von Sizilien bis Südtirol dem zahlreich erschienenen Publikum, das sich diese besondere Gelegenheit micht entgehen ließ. Bemerkenswertes in Hülle und Fülle:

Weißwein / Sekt

Bellavista, Lombardei, Saten Franciacorta Brut 2019 – 95
Bellavista, Lombardei, Teatro alla Scala Franciacorta Brut 2020 – 94
J. Hofstätter, Südtirol, Barthenau Vigna S. Michele – 93+
Ricci Curbastro, Lombardei, Franciacorta Rose Brut – 93
Thomas Niedermayr, Südtirol, Sonnrain Vino bianco 2019 – 92
Vie Di Romans, Friaul, Dut’un Bianco Venezia Giulia 2021 – 92
Venica & Venica, Friaul, Ronco delle Mele Sauvignon Collio 2022 – 91+
Thomas Niedermayr, Südtirol, Solaris 2020 – 90+

Rotwein

Pelissero, Piemont, Vanotu Barbaresco 2021 – 96
Tenuta Delle Terre Nere, Sizilien, Etna Rosso San Lorenzo Grand Cru 2022 – 95+
Malvirà, Piemont, Boiola Barolo 2020 – 95
Avignonesi, Toskana, Desiderio Toscana 2020 – 95
Tenuta Primi Pietra, Toskana, Vigna Pinino Brunello di Montalcino 2020 – 94+
Argiolas, Sardinien, Turriga Isola dei Nuraghi 2020 – 94+
Tenuta Primi Pietra, Toskana, Brunello di Montalcino 2020 – 94
Pelissero, Piemont, Tulin Barbaresco 2021 – 94
Avignonesi, Toskana, Grifi Toscana 2021 – 94
Vietti, Piemont, Barolo Castiglione 2019 – 94
Vietti, Piemont, Nizza La Crena Barbera d’Asti Superiore 2020 – 94
Vietti, Piemont, Vigna Scarrone Barbera d’Alba 2022 – 93+
Massolino, Piemont, Barolo Marheria 2020 – 93+
Malvirà, Piemont, Vigna Trinita Roero Riserva 2011 – 93
Brigaldara, Venetien, Amarone Riserva 2013 – 93
Castiglioni Del Bosco, Toskana, Brunello di Montalcino 2020 – 93
Argiolas, Sardinien, Korem Bovale Isola dei Nuraghi 2021 – 93

Das Rosé-Experiment

11. September 2025

Was für eine Idee: Die Trauben nach der Lese direkt abzupressen, den Saft spontan im Barriquefass zu vergären, dann 15 Monate auf der Vollhefe liegen zu lassen – und das ganze ausgerechnet mit einem Trollinger. Was sich der Winzer davon wohl erhofft hat? Möglicherweise genau das, was dann herausgekommen ist. In jedem Fall scheiden sich am Ergebnis die Geister, das Urteil schwankt meist zwischen totaler Begeisterung und kompletter Ablehnung. Der wohl teuerste Rosé Deutschlands stammt aus dem Osten Stuttgarts:

Weingut Aldinger, Württemberg, Untertürkheimer Gips Trollinger Rosé 1G 2020
sehr mineralisch, Feuerstein, Brennnessel und frisch geschnittenes Gras, Grapefruit, Aprikose, Steinobst, dennoch karg, rauchig und gleichzeitig geschliffen, präzise und langanhaltend, 94 Punkte