Europäer in Neuseeland

13. Dezember 2025

Ziemlich genau am anderen Ende der Welt begegnen einem gar nicht so wenige Weine, die als klassisch für die alte Welt gelten – und deren Erzeuger aus eben jener alten Welt stammen. Im Fall der verkosteten Pinot Noirs sogar überwiegend aus der deutschsprachigen Welt: Hans Herzog und Georg Fromm (Schweiz) im Norden der Südinsel, Karl-Heinz Johner und Kai Schubert (Deutschland) sowie Wim Julicher (Niederlande) gegenüber im Süden der Nordinsel. Kein Wunder, sind die klimatischen Verhältnisse den mitteleuropäischen doch ziemlich vergleichbar:

Hans Family Estate, Marlborough, Pinot Noir 2010
feine Röstaromen, Rosmarin, Veilchen, kräftige Säure, eher leichtgewichtig und rustikal, 91 Punkte

Fromm Winery, Marlborough, Pinot Noir Clayvin Vineyard 2010
Dörrobst, dunkelbeerig, etwas Nelke und Wacholder, geräucherte Paprika, weich, samtig, eher flach, 91 Punkte

Schubert Wines, Wairarapa, Pinot Noir ‚Block B‘ 2010
schöne Röstaromen, Dörrpflaumen, kräutrig und ledrig, eingebundene Menthol- und Wacholdernote, dezent rotbeerig, dabei geschliffen, präzise und elegant, 95 Punkte

Julicher Estate, Wairarapa, Pinot Noir 2010
viel Himbeere und Pflaume, recht süßwürzig, füllig, aber weniger vielschichtig, 91 Punkte

Johner Estate, Wairarapa, Pinot Noir Reserve 2010
rote Johannisbeeren, Röstaromen, grüne Noten, etwas vegetabil, dabei schöne Fülle am Gaumen und mit langem Abgang, 93 Punkte

Viel Lärm – um was?

30. November 2025

In der Konsumwelt entstehen manchmal urplötzlich Hypes, deren Zustandekommen nur schwer erklärbar ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese dann auch oft schnell wieder abebben – wohingegen wirklich Gutes sich bestenfalls auch längerfristig durchsetzen kann.
Seit einigen Jahren gibt es im Weinbereich ein Beispiel, das sich zwar jenseits des Horizonts der meisten Weinfreunde abspielt, aber dafür nicht weniger eindrucksvoll ist: Maison Glandien aus dem Burgund. Den L’Ouverture gibt es als blanc und als rouge. Nur wo? Nicht im regulären Weinhandel und auch nicht ab Hof, jedenfalls nicht für Normalsterbliche (auf der Flasche gibt es keinen Hinweis auf den Ort). Nach einiger Recherche stößt man auf den Namen Tino Kuban, der in Meursault seine Weinlagen biodynamisch bewirtschaftet. Auf dem Sekundärmarkt gehandelt und in sozialen Netzwerken gefeiert sind diese Weine, um es vorwegzunehmen, eigenständige, puristische Charakterweine. Aber auch ihren ziemlich stolzen Preis wert? Eher nicht:

Maison Glandien, L’Ouverture blanc 2021
aus der Rebsorte Aligoté: birnig, Flieder, floral, etwas Grapefruitaroma, frisch wirkend, dabei eher säuremild, 90 Punkte

Maison Glandien, L’Ouverture rouge 2021
rauchig, speckig, animalisch, fast brausig, süßwürzige Nase, etwas braune Butter, grüner Pfeffer, aber kaum Dichte und Länge, 88 Punkte

Burgunderschau

13. November 2025

Pinot Noir ist zu Recht eine der spannendsten roten Rebsorten überhaupt und für manchen Weinfreund ist es gar keine Frage, dass diese ganz oben auf der persönlichen Hitliste steht. Im Idealfall vereinen sich Finesse und Tiefe, Eleganz, Komplexität und Kraft und ermöglichen so Genusserlebnisse, die ihresgleichen suchen. Umso schöner, wenn es die Gelegenheit gibt, eine sehr hochwertige Auswahl älterer Vertreter dieser gut reifenden Rebsorte aus dem Burgund und aus Deutschland zu vergleichen:

Domaine Pierre Gelin, Bourgogne, Chambertin Clos de Bèze Grand Cru 1990
schon sehr reif, Portweinanmutung, etwas Walnussschale, gute Fülle und Säure, eher stumpf, 89 Punkte

Domaine Méo-Camuzet, Bourgogne, Vosne-Romanée Les Chaumes Premier Cru 2012
beerenfruchtig, Kirsche, zupackend, fast jugendlich, wenig Röstaromen, geschliffen, 93 Punkte

Markus Molitor, Mosel, Pinot Noir Graacher Himmelreich*** 2009
Heidelbeere, medizinal, leicht speckig, erinnert an gefüllte Weinbätter, eher rauhes Tannin, feste Struktur, gute Tiefe, 93 Punkte

Bernhard Huber, Baden, Spätburgunder „R“ Schlossberg GG 2009
warme Aromatik, Karamell, etwas Leder, Menthol, dezent rauchig und buttrig, Veilchen, fester Körper, schöne Dichte, 96 Punkte

Pierre Guillemot, Bourgogne, Corton Le Rognet et Corton Grand Cru 2003
feine Röstaromen, speckig, etwas Minze, gute Balance aus Kraft und Säure, Länge, 95 Punkte

Bercher, Baden, Spätburgunder Feuerberg GG 2011
Noten von Tabak und Trüffel, etwas Minze, stahlig, dicht, körperreich, kräftiges Säuregerüst, lang, 95 Punkte

Jean-Michel Guillot, Bourgogne, Clos de Vougeot Grand Cru 2003
dunkelbeerig, Waldboden, kräutrig, gute Dichte, eher grün, weniger elegant, 93 Punkte

Domaine Robert Chevillon, Bourgogne, Nuits-Saint-Georges Les Saint-Georges 1er Cru 2005
etwas säuerliche Beerenfrucht, Berberitze, Weingummi, auch Schlehe, Kaffeenote, kraftvoll, 94 Punkte

Domaine Faiveley, Bourgogne, Mazis Chambertin Grand Cru 2006
Walderdbeere, etwas balsamisch, feine Würze, elegant und ausgewogen, 94 Punkte