Viel Lärm – um was?

30. November 2025

In der Konsumwelt entstehen manchmal urplötzlich Hypes, deren Zustandekommen nur schwer erklärbar ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese dann auch oft schnell wieder abebben – wohingegen wirklich Gutes sich bestenfalls auch längerfristig durchsetzen kann.
Seit einigen Jahren gibt es im Weinbereich ein Beispiel, das sich zwar jenseits des Horizonts der meisten Weinfreunde abspielt, aber dafür nicht weniger eindrucksvoll ist: Maison Glandien aus dem Burgund. Den L’Ouverture gibt es als blanc und als rouge. Nur wo? Nicht im regulären Weinhandel und auch nicht ab Hof, jedenfalls nicht für Normalsterbliche (auf der Flasche gibt es keinen Hinweis auf den Ort). Nach einiger Recherche stößt man auf den Namen Tino Kuban, der in Meursault seine Weinlagen biodynamisch bewirtschaftet. Auf dem Sekundärmarkt gehandelt und in sozialen Netzwerken gefeiert sind diese Weine, um es vorwegzunehmen, eigenständige, puristische Charakterweine. Aber auch ihren ziemlich stolzen Preis wert? Eher nicht:

Maison Glandien, L’Ouverture blanc 2021
aus der Rebsorte Aligoté: birnig, Flieder, floral, etwas Grapefruitaroma, frisch wirkend, dabei eher säuremild, 90 Punkte

Maison Glandien, L’Ouverture rouge 2021
rauchig, speckig, animalisch, fast brausig, süßwürzige Nase, etwas braune Butter, grüner Pfeffer, aber kaum Dichte und Länge, 88 Punkte

Burgunderschau

13. November 2025

Pinot Noir ist zu Recht eine der spannendsten roten Rebsorten überhaupt und für manchen Weinfreund ist es gar keine Frage, dass diese ganz oben auf der persönlichen Hitliste steht. Im Idealfall vereinen sich Finesse und Tiefe, Eleganz, Komplexität und Kraft und ermöglichen so Genusserlebnisse, die ihresgleichen suchen. Umso schöner, wenn es die Gelegenheit gibt, eine sehr hochwertige Auswahl älterer Vertreter dieser gut reifenden Rebsorte aus dem Burgund und aus Deutschland zu vergleichen:

Domaine Pierre Gelin, Bourgogne, Chambertin Clos de Bèze Grand Cru 1990
schon sehr reif, Portweinanmutung, etwas Walnussschale, gute Fülle und Säure, eher stumpf, 89 Punkte

Domaine Méo-Camuzet, Bourgogne, Vosne-Romanée Les Chaumes Premier Cru 2012
beerenfruchtig, Kirsche, zupackend, fast jugendlich, wenig Röstaromen, geschliffen, 93 Punkte

Markus Molitor, Mosel, Pinot Noir Graacher Himmelreich*** 2009
Heidelbeere, medizinal, leicht speckig, erinnert an gefüllte Weinbätter, eher rauhes Tannin, feste Struktur, gute Tiefe, 93 Punkte

Bernhard Huber, Baden, Spätburgunder „R“ Schlossberg GG 2009
warme Aromatik, Karamell, etwas Leder, Menthol, dezent rauchig und buttrig, Veilchen, fester Körper, schöne Dichte, 96 Punkte

Pierre Guillemot, Bourgogne, Corton Le Rognet et Corton Grand Cru 2003
feine Röstaromen, speckig, etwas Minze, gute Balance aus Kraft und Säure, Länge, 95 Punkte

Bercher, Baden, Spätburgunder Feuerberg GG 2011
Noten von Tabak und Trüffel, etwas Minze, stahlig, dicht, körperreich, kräftiges Säuregerüst, lang, 95 Punkte

Jean-Michel Guillot, Bourgogne, Clos de Vougeot Grand Cru 2003
dunkelbeerig, Waldboden, kräutrig, gute Dichte, eher grün, weniger elegant, 93 Punkte

Domaine Robert Chevillon, Bourgogne, Nuits-Saint-Georges Les Saint-Georges 1er Cru 2005
etwas säuerliche Beerenfrucht, Berberitze, Weingummi, auch Schlehe, Kaffeenote, kraftvoll, 94 Punkte

Domaine Faiveley, Bourgogne, Mazis Chambertin Grand Cru 2006
Walderdbeere, etwas balsamisch, feine Würze, elegant und ausgewogen, 94 Punkte

Warten auf Bordeaux

23. Oktober 2025

Zu den schönsten Aspekten des Weintrinkens gehört, zu beobachten, wie sich Weine im Laufe der Jahre in der Flasche entwickeln. Natürlich sind die meisten Weine nicht dafür gemacht, lange im Keller gelagert zu werden, bei vielen hochwertigen wäre es aber geradezu Verschwendung, ihnen gegenüber schon nach kurzer Zeit übergriffig zu werden. Wenn sich aber gereifte Bordeaux-Weine, zumal aus den Neunziger-Jahren, in irgendwelchen Verliesen finden, ist der Zeitpunkt sicher geeignet, sich diese Exemplare mal genauer vorzunehmen:

Château Pontet-Canet, Pauillac 1995
kräutrig, Pflaumenmus, Leder, grüner Paprika, etwas vegetabil, Kakao, dicht, 93 Punkte

Château Cantemerle, Haut-Medoc 1996
Wacholder, eher grüne Noten, dabei samtige Tannine, schlank, elegant und zupackend, mittlerer Körper, 94 Punkte

Château Sociando-Mallet, Haut-Médoc 1996
Mandelnote, etwas Orangenschale, ätherisch, feines, elegantes Tannin, wirkt frisch und zupackend, schöne Länge, 95 Punkte

Château Lagrange, Saint-Julien 1996
Graphit, etwas Brombeere und Liebstöckel, lebhafte Säure, 93 Punkte

Château Kirwan, Margaux 1997
pflaumig, rotbeerig, Berberitze, dezentes Fruchtgummi, präzise, sehr schlank und gleichzeitig dicht mit großer Länge, 95 Punkte