Eine echte Preis-Leistungs-Sensation

11. August 2010

Ein Gro?es Gew?chs, ganz sicher. Riesling in seiner feinsten Auspr?gung mit hoher Mineralit?t und zarten Fruchtaromen von wei?en Pfirsichen und gr?nen ?pfeln, flankiert von einem feinen Schmelz, der mit der Luft noch deutlicher wird und die perfekte Harmonie des Weines wunderbar unterstreicht. Lang anhaltend, lediglich in der Schlusssekunde eine Spur zu sehr von seiner Herbheit dominiert. Daf?r gibt es spontan 94 Punkte, eine Wertung, die selten genug erreicht wird. Die Neugierde ist hoch, um welchen Wein es sich denn eigentlich handelt.

Die ?berraschung ist gelungen und sie f?llt angesichts des Preises besonders gro? aus:manz.jpg
Weingut Manz, Rheinhessen, Oppenheimer Sacktr?ger Riesling Sp?tlese trocken <M>*** 2002.
Deutschlands beste Rieslinge haben die 50 ?-Grenze teilweise l?ngst ?berschritten. Der Preis f?r den damals aktuellen Jahrgang 2002 dieses Manz-Rieslings lag bei 7,50 ?. Der Gault Millaut empfahl diesen Wein bis 2006 getrunken zu haben.  Es geschehen noch Wunder in Deutschland, haltet die Augen offen!

Terroiristen all?berall?

2. August 2010

Fortschritte soll man nicht kleinreden. Wann gab es schon mal eine so hohe Anzahl an erstklassigen und individuellen Weinen wie heute? In den letzten 30 Jahren sind weltweit immer mehr Weinregionen aus dem Dornr?schenschlaf erwacht und bieten der anspruchsvollen Kundschaft zahlreiche Weine mit hohem Qualit?tsanspruch. Dank der Aufgeschlossenheit einer neuen Winzergeneration, die ?ber den eigenen Tellerrand hinausschaut, international Erfahrungen sammelt, sich moderner Technik bedient und auf die eigenen regionalen Wurzeln besinnt. Eine R?ckbesinnung auf traditionell verankerte Rebsorten, penible Weinbergsarbeit und, nun ja, das Terroir.

terroir3.jpgTerroir ist in aller Munde.  Nicht zum ersten Mal haben sich letztes Jahr in S?dfrankreich ambitionierte Winzer zu  Terroiristen zusammengeschlossen. Um gemeinsam, der Name ist Programm, ein Qualit?tskonzept zu vertreten, das auf den nat?rlichen lokalen Gegebenheiten der jeweiligen Weinlage beruht.

Kaum eine Lobeshymne auch in Deutschland, die ohne diesen Begriff  auskommt. Zwar mag dessen Aussprache manchem auch n?chtern Kieferknirschen verursachen. Eigentlich sollte er jedoch viel eher die Speichelflutung des Rachenraums in Vorfreude auf besonders markante Mineralit?t bewirken. Wasser marsch bzw. Kauf-den-Wein-zu-jedem-Preis, so jedenfalls der Imperativ der Marketingstrategen, die den Begriff der Lage aufgrund seiner bescheideneren poetischen Qualit?t  gerne vermeiden.

Nicht ganz zu unrecht. Dass die Lage – also der Boden, die geologischen und klimatischen Verh?ltnisse – auf den Weingeschmack einen Einfluss hat, kann sich jeder vorstellen, auch wenn sich das die wenigsten Konsumenten klarmachen.  Terroir dagegen hat nach Meinung vieler dar?ber hinaus noch etwas anderes zu bieten: eine Philosophie, die, wenn es sie nicht schon seit l?ngerem g?be, dringend erfunden werden m?sste: Die „Terroirbewegung als kulturelle Avantgarde“, als R?ckgewinnung der Individualit?t landwirtschaftlicher Produkte in Zeiten globalisierter Uniformit?t (Reinhard L?wenstein: Die Zukunft liegt im Terroir). Andere gehen in ihrer Begriffsbestimmung nicht so weit – wer sich ?ber die verschiedenen Interpretationen ein genaueres Bild machen m?chte, findet hier eine wunderbare (englisch-sprachige) Diskussion dazu.

Dem Terroir in den Weinen mehr Geltung zu verschaffen bedeutet in jedem Fall f?r den Winzer, die nat?rlichen Gegebenheiten bei der Weinbergsarbeit st?rker einzubeziehen. Mehr Aufwand f?r ein besseres Ergebnis.
Wer nun aber glaubt, dieses einnehmende Konzept in Europas Weinen m?helos erkennen zu k?nnen, steht unversehens vor neuen R?tseln: Schmeckt mir dieser Wein jetzt wegen seines Terroirs? Kommt das w?rzige Aroma denn vom Terroir  oder doch von der Rebsorte? Und, niederschmetternd genug, die wohl h?ufigste Frage: Hat der Winzer jemals etwas von diesem Begriff geh?rt?

Fr?h ergraut und frisch im Alter – Grauburgunder aus dem Barrique

11. Juli 2010

grauburgunder-botnang.jpg

Bernsteinfarben, mit Karamell und Eiskonfekt – m?chtig wirkt dieser Wein und leider auch ein bisschen alt. Trotzdem ist er einer der Gewinner der Grauburgunder-Verkostung von Topweinen der G?ter Dr. Heger, Salwey und Klaus Keller.

Aus dem Jahr 2001 ist dieser Vertreter des Hauses Dr. Heger aus dem Kaiserstuhl, eine Auslese*** vom Achkarrer Schlossberg. Kein Wein, der begeistert, aber seinen ebenso 3fach-besternten und j?ngeren Kollegen aus dem selben Haus trotzdem ?berlegen: dem 2004er mit seiner seifig aufdringlichen Fruchtexotik, dem 2005er mit seiner schlankeren aber auch etwas bitteren Aromatik und auch dem 2007er mit seiner ebenfalls leicht bitteren, daf?r aber wieder etwas karamelligeren Note.

Ein anderes Kaliber war dann der 2007er Eichberg 3-Stern Grauburgunder Gro?es Gew?chs von Salwey, ebenfalls Kaiserstuhl: komplex, frisch und hervorragend ausbalanciert. Auch die beiden Vertreter des Hauses Klaus Keller aus Rheinhessen ?berzeugen: der 2007er mit Rasse und Schmelz und auch der 1999er mit ?berraschender Frische, Mineralik und Extrakt.

Es ist dann halt doch so wie bei den Menschen. Die Performance (neudeutsch formuliert)  l?sst sich einfach nicht ?ber Alter und Geburtsjahr kalkulieren.

  • Weingut Dr. Heger, Achkarrer Schlossberg, Grauburgunder Auslese*** 2001, 14%     (89+ Punkte)
  • Weingut Dr. Heger, Achkarrer Schlossberg, Grauburgunder Sp?tlese*** 2004, 14,5%  (88 Punkte)
  • Weingut Dr. Heger, Achkarrer Schlossberg, Grauburgunder Sp?tlese*** 2005, 13,5%  (87+ Punkte)
  • Weingut Dr. Heger, Achkarrer Schlossberg, Grauburgunder Gro?es Gew?chs*** 2007,   13,5%  (88+ Punkte)
  • Salwey, Eichberg,  Grauburgunder Gro?es Gew?chs *** 2007,  14%  (91 Punkte)
  • Weingut Keller Grauer Burgunder -S- 2007, 14%  (92 Punkte)
  • Weingut Keller Grauer Burgunder -S- 1999, 14%  (92+ Punkte)