Entdecker willkommen – brasilianischer Wein unterwegs zu internationaler Anerkennung

9. Juni 2009

vale dos vinhedosVon tropischem Regenwald keine Spur. Die Bl?tter der Reben haben sich braun verf?rbt, Rebzeilen ziehen sich sanft die H?nge hinunter und bewaldete und bewirtschaftete H?gel erinnern an deutsche Mittelgebirge. Im Vale dos Vinhedos, der Weinstra?e des brasilianischen Weintals im S?dosten des Landes, denkt man nicht nur der Landschaft wegen eher an Europa. Hier – ca. zwei Autostunden nordwestlich der Millionenstadt Porto Alegre – werden Weine erzeugt, die oftmals europ?ischer wirken als viele andere bei uns bekannte s?damerikanische Weine. Viele sind schlank und sortentypisch. Dass sie dabei auch oft s?urebetont sind, liegt an einer meist fr?hen Lese, die der F?ulnis durch das feuchte Klima vorbeugen soll. Die Spitze schafft es allerdings, der Elite europ?ischer Weine recht nahe zu kommen.

Das Weingut Casa Valduga in Bento Gonçalves geh?rt mit insgesamt gut 150 Hektar zu den ganz gro?en Weinerzeugern Brasiliens.casa Valduga Anwesen Das zeigt sich auch schon am riesigen Anwesen, das eine Reihe von Ferienh?usern f?r die zahlreichen Touristen aus Săo Paulo und Rio de Janeiro beherbergt.

Das italienische Weinerbe

Im 19. Jahrhundert von italienischen Einwanderern gegr?ndet, besitzt das Weingut eine italienische Weintradition wie sie in dieser Gegend so h?ufig anzutreffen ist. Kein Wunder, dass es hier auch eine italienische Rebsorte gibt, die in der alten Welt allerdings nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielt: die rote Ancelotta-Traube, die sonst vor allem in der Emilia-Romagna und der Lombardei kultiviert und h?ufig genug lediglich als Farbverst?rker verwendet wird. Casa Valduga dagegen hat dieser Sorte beim 2005er Identidade Single Vineyard mit einer Mengenbeschr?nkung auf 3000 Flaschen zu einer hervorragenden Qualit?t verholfen. Bei mittlerem K?rper erstreckt sich da ein gro?es Aromenspektrum von Minze ?ber Sauerkirsche bis zu Karamell und dezenten Ledernoten. Hier, wie bei den meisten anderen Weing?tern, dominieren die franz?sischen Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Merlot, casa Valduga GebaeudeCabernet Franc und Chardonnay. Ebenfalls sehr gut gelungen ist ein Gew?rztraminer mit einer erstaunlich eleganten Fruchtigkeit, dessen Bukett die typischen Rosent?ne und Honignoten offenbart ohne aufdringlich zu wirken. Mindestens so ?berraschend aber ein Portwein, der sich bescheiden nur Tinto Liqeur Wine nennen darf und die Klasse eines gro?en Tawny Ports besitzt.

Das Hauptaugenmerk des Hauses liegt jedoch auf dem Sekt. Als eine der gr??ten Sektkellereien Lateinamerikas exportiert Casa Valduga immer mehr Flaschen nach Europa. Sind schon die Basissekte ?berzeugend, trifft das in besonderer Weise f?r die h?heren Qualit?ten zu. Der Gran Reserva Natura 2002, der weniger von der Hefe als von einer eleganten Frucht dominiert ist, muss sich vor den gro?en Champagnern keineswegs verstecken.

Mit?  High-Tech nach Europa

So industriell die Weinbereitung bei Casa Valduga schon aufgrund der schieren Gr??e der Kellereigeb?ude erscheint, so selbstverst?ndlich wird hier modern und pr?zise nach europ?ischem Vorbild gearbeitet. Bei Temperatur?berwachung, malolaktischer G?rung und Reifung in Barrique-F?ssern war das Weingut Vorreiter in Brasilien. Der Schritt auf den deutschen Markt erscheint so letztlich nur konsequent. 2005 waren die Weine das erste Mal auf der ProWein vertreten, zusammen mitWeingut Salton einem anderen Gro?-Weingut: Salton, das nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Mit 25 Millionen Flaschen Weinproduktion im Jahr, die von 550 Weinbauern der Umgebung stammen, gilt die Vinicola Salton als gr??ter weinerzeugender Betrieb Brasiliens. Viel Geld wurde auch hier in moderne Kellertechnik investiert. Maischeg?rung mit Maischestandzeiten von vier bis 15 Tagen bei den Rotweinen (Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec, Carmenčre, Cabernet Franc, Tannat und Teroldego) und qualitativ verschiedene Produktlinien zeigen die Salton kellerstark differenzierte Arbeitsweise des Hauses. Erstaunlich sind vor allem zwei Wei?weine. Der Riesling Classic bezieht seinen Charme aus einer kernigen S?ure mit Noten von gr?nen ?pfeln und Zitrusfr?chten und der teilweise in neuen amerikanischen Barriques gelagerte Chardonnay Volpi besticht durch gute L?nge und feine Holznoten. Dabei wirkt er elegant und keineswegs fett oder plump.

Klasse statt Masse aus den Hochlagen

Eine echte Entdeckung ist Vinhos Marson in Cotipora, n?rdlich des Hauptortes Bento Gonçalves. Der kleine Betrieb, in dem gerne noch italienisch gesprochen wird, bietet einen grandiosen Ausblick ?ber das spektakul?re,marson mediterran anmutende Berg- und H?gelland. Trotz der zahlreichen Preise, die das Weingut auf Wettbewerben immer wieder erzielt, sind seine Weine in Europa v?llig unbekannt.

Das Flaggschiff ist der Cabernet Sauvignon Gran Reserva. Der 2002er ?berzeugt durch Dichte und L?nge mit einer Vielzahl von Aromen: Schokolade, D?rrfr?chte, Pflaume, Karamell und Lakritz. Der 2004 ist noch einen Tick reichhaltiger und geh?rt sicherlich zu den absoluten Top-Weinen des Landes. In dieser Liga spielt auch der Marson Espumante Brut, ein Sekt aus Chardonnay und Pinot Noir.

Ein anderer Winzer mit ?berschaubarer Betriebsgr??e – 15 Hektar – und ?hnlich freundlichem Empfang ist Clóvis Roberto Boscato. Sein modernes Gut, das er vor 25 Jahren mit seinem Bruder zusammen gr?ndete, liegt ca. 70 km im Norden von Bento Gonçalves. Die Weinberge reichen hier sogar bis auf 850 Meter Meeresh?he.

Perfektion und Internationalit?t

Genaue Temperatur- und Luftfeuchtigkeitskontrolle in den einzelnen Barrique- und Flaschenlagern und computergesteuerte Tr?pfchenbew?sserung in den Weinbergen zeigen, dass hier nichts dem Zufall ?berlassen wird. Auch der modernste Degustationsraum au?erhalb Europas beeindruckt. Ausger?stet mit einer extra Luftschleuse f?r optimale Degustationsbedingungen wird er immer wieder von internationalen Sommeliers genutzt. Schlie?lich ist der Chef, der sichtlich stolz ist durch seinen Betrieb zu f?hren, selbst Mitglied internationaler Weinjuries. So faszinierend ein Rundgang durch Keller und Haus auch ist, die Weine bilden eindeutig die nationale Speerspitze Brasiliens und sind dabei erstaunlich g?nstig geblieben.

Der Chardonnay zeigt mit Karamell- und Sahnenoten sowie feinen vegetabilen Aromen ein ?berzeugendes Gleichgewicht. Der sortentypische Merlot hat Ankl?nge an Kakao und wirkt auch in seiner Jugend schon harmonisch. So wie auch der Cabernet Sauvignon Reserve, dem eine ganz dezente Animalik gut steht, die neben denBoscato Probenraum Schoko-, Kaffee- und Kirscharomen keinesfalls dominiert. Die Steigerung ist der Gran Reserva, dessen intensivere Gerbstoffe zu noch mehr Struktur und Tiefe verhelfen und das bei lediglich 12% Alkohol. Sicherlich das Aush?ngeschild des Weingutes, dessen Ruhm trotz geringer Auflage von 2000 Flaschen im Jahrgang 2002 bereits im Ausland angekommen ist. Das beweist jedenfalls die Gold-Medaille beim Concours Mondial de Bruxelles 2007.

Bis die Weine aus dem Vale dos Vinhedos auch auf breiterer Linie international einen Namen bekommen, scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Bis dahin aber warten hier, weit entfernt vom tropischen Regenwald, noch viele Weinerzeuger darauf, entdeckt zu werden.

Argentinier gewinnt die 4. „Schwieberdinger L.E.-Rotweintrophy®“

6. Mai 2009

Ein Gastbeitrag von Matthias Schwerdtle

Am 11.04.2009 war es wieder so weit: die Sieger der „Schwieberdinger L.E.-Rotweintrophy®“, die heuer bereits in die vierte Runde ging, wurden gek?rt. Qualifizieren konnten sich trockene Rotweine, deren Endverbraucherpreis unter 10 Euro liegt und die zum Zeitpunkt der Veranstaltung auch noch k?uflich erh?ltlich sein m?ssen. S?mtliche Kandidaten mussten auf dem Weg in die Endrunde die Vorrunde ?berstehen, in der eine Jury, bestehend aus Profis aus der Weinbranche sowie ambitionierten Laien, die Spreu vom Weizen zu trennen versuchte. ?brig blieben am Schluss 10 hervorragende Weine, unter denen im Rahmen einer finalen Dégustation ein neuer Titeltr?ger ermittelt wurde. Folgende Kandidaten hatten sich f?r das Finale qualifiziert und stellten sich dem Votum der Juroren (in Klammern jeweils die Durchschnittsnoten der individuellen Bewertungen aller Teilnehmer):

 Der erste zu verkostende Wein war der 2007er „ Fayard” Côtes du Ventoux AC von der Domaine de Fondrčche. Er ?berzeugte durch seine samtige, deutlich von der Grenachetraube gepr?gte Textur und seine vollmundige Kirschnote (87,36 Punkte). Als Zweiter an der Reihe war der 2007er „Benuara“ IGT vom sizilianischen Weingut Cusumano. Diese Cuvée aus Nero d`Avola und Syrah ist kraftvoll,erdig und schmeckt nach dunklen Fr?chten (86,72 Punkte). Spanien stellte in diesem Jahr mit 3 Weinen die meisten Teilnehmer, die danach direkt hintereinander ausgeschenkt wurden. Der erste davon war der 2003er Reserva „Castillo de Almansa Selección” von den Bodegas Piqueras aus der Region La Mancha. Er pr?sentierte sich vollmundig, ?ppig und mit feiner Holznote(87,08 Punkte). Als n?chstes der 2003er „Dehesa la Granja“ von der Bodega y Vińedos Fernández Rivera aus Castilla y León, welcher bei mittlerem K?rper nach Vanille und reifen Beeren schmeckte (86,14 Punkte). Der 2000er Reserva „Vińa Sardasol” von der Bodega Virgen Blanca aus Navarra musste, da fehlerhaft und keine Ersatzflasche zur Verf?gung stand, leider aus der Wertung genommen werden. Erfreulicher ging es mit 2 Weinen von ein und demselben Produzenten, den Bodegas Callia aus San Juan in Argentinien, weiter – ein Novum in der bisherigen Geschichte dieser Veranstaltung. Der 2006er Malbec-Merlot aus der Linie „Magna” brillierte durch sein kr?ftiges Beerenaroma und seinen saftigen Schmelz (87,78 Punkte). Der 2006er Shiraz „Magna” konterte mit w?rzigen Pflaumen- und Schokonoten (86,78 Punkte). Aus dem Nachbarland Chile stammten die n?chsten beiden Kandidaten: der 2007er „Quatro” von Vińa MontGras, bestehend aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Carmeničre und Malbec, und der 2006er „Trio“ von Vińa Concha y Toro, eine Cuvée aus Merlot, Carmenčre und Cabernet Sauvignon. W?hrend ersterer mit der f?r Chile typischen Cassisaromatik und seiner Eleganz punktete (86,08 Punkte), bestach zweiterer durch samtige F?lle und seine Reichhaltigkeit (87,22 Punkte). Als letzter pr?sentierte sich schlie?lich der 2005er Shiraz “Terra Barossa” vom australischen Weingut Thorn Clarke Wines, der durch sein pfeffrig, beeriges Aroma und seine Komplexit?t voll zu ?berzeugen wusste (87,72 Punkte).

 Nach Auswertung der von den Juroren vergebenen Einzelnoten stand somit fest: Gewinner der 4. „Schwieberdinger L.E.-Rotweintrophy®“ ist der 2006er Malbec-Merlot „Magna” von der Bodegas Callia, und zwar mit hauchd?nnem Vorsprung vor dem 2005er Shiraz “Terra Barossa” von Thorn Clarke Wines. Die Bronzemedaille verdiente sich der 2007er „ Fayard” von der Domaine de Fondrčche, aber auch die anderen Weine entt?uschten keineswegs, und so kann allen Finalisten ein exzellentes Preis- / Leistungsverh?ltnis bescheinigt werden!

Abseits des Mainstreams – wie im Nebenerwerb Charakterweine entstehen

29. März 2009

kopp-lembergerNicht jeder Wengerter in Gemmrigheim (W?rttemberg/Neckar) ist Genosse.  Michael Kopp liefert als einziger Weinbauer aus dem Ort nicht in der WG Hessigheim ab und erm?glicht so seinen Weinen eine eigene Handschrift. Zwar ist der Weinbau mit wenig mehr als einem halben Hektar Rebfl?che f?r ihn nur Nebenerwerb, aber keineswegs Nebensache.  Kopps Weine sind alle trocken und vor allem maischevergoren, also nicht, wie bei den meisten seiner Kollegen, maischeerhitzt. Bei einer Fassweinprobe wird auch schnell klar, dass ihnen das sehr gut tut: Die Frucht und der Charakter der verschiedenen Rebsorten stehen hier im Vordergrund. Trollinger, Lemberger und Schwarzriesling  sind bei Michael Kopp die wichtigsten Sorten und werden im Stahltank ausgebaut. Cabernet Cubin und die rote Cuvée stammen dagegen aus dem Barriquefass und haben, wie alle seine Weine, ein ?berragendes Preis-Leistungsverh?ltnis. Der sympathische Winzer versteht es au?erdem auch einen wirklich trockenen Secco aus Trollinger und Muskattrollinger zu machen, ebenso wie Essig und verschiedene Br?nde. Ein ?beraus gelungener Besuch!