Aglianico-D?mmerung

9. November 2010

aglianico.jpgZu testen, was bei einer Rebsorte m?glich ist, wie das Maximum aussehen k?nnte, ist nat?rlich ?u?erst vermessen. An was soll man sich bei der Weinauswahl orientieren, au?er an den Worten von Kritikern, die mit einer Einsch?tzung ?ber das Potenzial von sehr jungen Weinen auch  immer mal daneben liegen? ?ber gr??ere Zeitr?ume hinweg l?sst sich die Qualit?t eines Weingutes und seiner Spitzenweine aber nat?rlich schon ziemlich zuverl?ssig einsch?tzen.

Zwei der folgenden s?ditalienischen Weine haben zu Zweifeln bisher kaum einen Anlass gegeben. Wie sich das heute darstellt und wie sich dabei der weniger bekannte Terredora Taurasi im Vergleich schl?gt, zeigte eine Probe hochpreisiger Aglianico-Weine:

Fatica Contadina, Terredora Taurasi 2001 :
sehr zupackende Tannine, trotzdem saftig, Rapshonig, Karamell, Kakao, Leder, 92 Punkte

Paternoster, Rotondo 2000:
Kakao, Jod, Liebst?ckl, weniger dicht und komplex, eher kurz, 89 Punkte

Feudi Di San Gregorio, Serpico 1999
elegant, kraftvoll, Marzipan, rote Frucht, zupackend, anhaltend, 94 Punkte

Ein Querschnitt mit H?hen und Tiefen

1. November 2010

torres.jpg930 Hektar Anbaufl?che sind eine gewaltige Hausnummer. Entsprechend gro? ist die Vielzahl an Weinen, die von diesem weltber?hmten spanischen Weinerzeuger aus dem Penedès produziert werden: Torres ist in der Weinwelt ein Begriff, zumal dieser Betrieb l?ngst nicht mehr nur in Spanien, sondern auch in Chile und sogar Kalifornien Weinbau betreibt. Einmal etwas genauer hinsehen konnte man k?rzlich in der Weinhandlung Bronner in Ludwigsburg. Dort fand eine Pr?sentation mit acht Weinen (und einem Oliven?l) aus Penedès, Catalunya, Rioja, Ribera del Duero und dem Priorat statt.

Von ca. 8 – 38 ? reichte das Angebot und bunt gemischt waren auch die Qualit?ten. Dank den h?heren Lagen bis 800 m und dem k?hlerem Klima, das in Spanien eine Ausnahme darstellt, gelang Torres ein sch?ner Sauvignon Blanc, der zu einem Viertel im Holz gereift ist:

2008 Fransola Sauvignon Blanc, Penedès
Steinobstaromatik, v.a. Mirabelle, Grapefruit, sch?ne S?ure, mineralisch, k?nnte nachhaltiger sein, 89 Punkte

Auch eine Muskateller-Traminer Cuvée gedeiht in Spanien: 2009 Vina Esmeralda, Catalunya – 86 Punkte

Ein ordentlicher Tapaswein ist der g?nstige 2007 Coronas Tempranillo,  Catalunya. Samtig, Brombeere, Sauerkirsch, Schokolade, leicht pfeffrig, runde Tannine, 87 Punkte

Eher entt?uschend der 2009 Magnolia Cabernet Sauvignon, Catalunya (recht d?nn, gekochte Aromatik, 84 Punkte) und der 2007 Ibéricos Tempranillo, Rioja (nasses Astholz, 83 P.), daf?r ging es danach stetig bergauf mit der Qualit?t:
2007 Celeste, Ribera del Duero, der eine 15-monatige Reifung in franz?sischen Barriques hinter sich hat – Lakritz, buttrig, leichte Rosinennote, 88 Punkte.

Dann folgte der 2007 Salmos, Priorat. Recht streng, Himbeer, Nelke, Pflaumenmarmelade, 89 Punkte

Zum Schluss dann der H?hepunkt: 2006 Mas La Plana, Penedès, 18 Monate Barrique, sehr dicht und komplex, was auch an den f?nf verschiedenen B?den liegt, auf denen die Hauptsorte Cabernet Sauvignon gewachsen ist. Ein Wein mit Mineralit?t, Cassis, Karamell, Kaffee, der an gro?e Medoc-Weine erinnert: 93 Punkte und ein gelungener Abschluss.

Kaiserstuhl intensiv

19. Oktober 2010

Nat?rlich ist Wein ein Naturprodukt. Doch das ist erst mal nicht viel mehr als eine Plattit?de. Bedeutung bekommt dieser Satz erst, wenn man die Natur eines Weines erfahrbar macht. Also den Lebensraum, die Lage eines bestimmten Weines erkundet, sich den Zustand der Reben ansieht, den Weinmacher kennenlernt und dessen Philosophie im Glas nachzusp?ren versucht.

Wie sollte das besser geschehen als auf einer mehrt?gigen Wanderung in einem der sch?nsten Anbaugebiete des Landes? Vorbei an den ber?hmten Lagen des Kaiserstuhls wie den Winklerberg, den Schlossberg und den Eichberg f?hrte uns eine Tour von Ihringen ?ber Achkarren, Oberrottweil und schlie?lich nach Eichstetten. Ausschlie?lich zu Fu? bewegten wir uns  durch eine spektakul?re, vulkanisch geformte Landschaft und besuchten einige Meisterwinzer, die nicht ganz zuf?llig auf unserer Wanderroute lagen. Kein schlechter Zeitpunkt: Die hochgelobten 2009er sind noch ?berall erh?ltlich, in einigen Monaten wird sich das nicht mehr ?ber jedes Gro?e Gew?chs sagen lassen.

Nat?rlich stehen hier die Burgundersorten im Vordergrund: Grau- und Wei?burgunder, Chardonnay und Sp?tburgunder. Ausgangspunkt war Ihringen und das bekannteste Weingut des Ortes. Das Weinhaus Heger hat einiges zu bieten. Die klare Frucht, Nachhaltigkeit und gute Balance einer 1999er Wei?burgunder Sp?tlese trocken aus dem Ihringer Winklerberg beispielsweise (89 Punkte) oder der gleich alte Weissburgunder Gro?es Gew?chs, der noch etwas verhaltener ist, aber daf?r gro?e Komplexit?t zeigt (89+). Eine Klasse f?r sich ist der Chardonnay*** aus dem Barrique. Outstanding, wie es international wohl hei?en w?rde, macht dieser Wein sofort s?chtig: viel Exotik, Stachelbeere, Pfirsich. Bei unglaublicher Dichte und L?nge und gleichzeitig klarer Struktur bleibt der Geschmack noch lange Minuten im Mund. Zweifellos einer der besten Wei?weine, den ich aus Deutschland je trinken durfte – 95 Punkte.

Am Abend dann Achkarren. Die Strau?wirtschaft des Weinguts Michel bietet au?erordentlich gelungene Basisweine. Die Topweine gab es dann am n?chsten Tag. P?nktlich um 10:00 Uhr zu ?ffnungsbeginn scharrten wir schon ungeduldig mit den Hufen. H?chste Zeit f?r die eleganten Sp?tburgunder aus der Lage Achkarrer Schlossberg, den wir wenig sp?ter in dichtem Nebel ?berqueren sollten. Doch auch hier wird sehr guter Wei?burgunder produziert, zu bezahlbaren Preisen: die 2009er Sp?tlese trocken*** hat viel Nachhall und L?nge bei animierender Zitrus-Aromatik: 89-90 Punkte.

Auch alle probierten Sp?tburgunder konnten ?berzeugen. Ein Hammer ist der 2008er Sp?tburgunder vom Schlossberg aus dem erstbef?llten Barrique. Nur 10 Trauben pro Stock ergeben einen intensiven Musterburgunder wie aus dem Bilderbuch: lang, stoffig, dabei ?u?erst elegant bei sch?ner Brombeerfrucht, 93 Punkte.

Nichts wird aus dem Vogesenblick in den folgenden Stunden, aber auch bei tr?bem Wetter entfaltet der westliche Kaiserstuhl eine besondere Magie. Einige Betriebe sind bei der Lese. Der leicht r?tliche Grauburgunder und der Sp?tburgunder sind an der Reihe. In Oberrottweil angekommen ist das Weingut Salwey bei uns auf der Tagesordnung ganz oben. Mit zahlreichen Schweizer G?sten erleben wir eine Probe, die wieder f?r zahlreiche Gl?cksmomente sorgt.
Die trockenen wei?en Burgunder aus der RS-Linie mundeten vorz?glich: Wei?burgunder RS 2009, 89 Punkte; Grauburgunder RS 2009, 90 Punkte. Eine echte Preis-Leistungs-?berraschung ist der Sp?tburgunder 2008 aus dem K?sleberg. F?r nur wenig ?ber 10 ? ist er fast auf vergleichbarem Niveau (88-89 P.). In einer anderen (Preis-)Welt hingegen bewegt sich sein gro?er Bruder, das Gro?e Gew?chs aus dem Eichberg Glottertal mit 93+ Punkten.
Dennoch, mindestens so interessant sind die Gro?en Gew?chse aus den wei?en Sorten. Henkenberg und Kirchberg – beide schenken sich nichts. F?r mich minimal vorne: der Henkenberg. Der Wei?burgunder 2009 aus dieser Lage hat erstaunliche Ankl?nge an Orange und besitzt bei aller Substanz eine lebendige Frische (93 Punkte). Der Vulkanverwitterungsboden des Kirchbergs (Wei?burgunder 2009) macht einen Unterschied: feine Mineralik, dabei etwas floraler – 92 Punkte.
Noch etwas besser sind hier die Grauburgunder. Henkenberg GG mit 94+ Punkten und der (hiesige) Eichberg mit 93 Punkten. Was soll danach noch kommen?

?ber Berge, Trockenrasen und durch W?lder f?hrt uns der Weg am n?chsten Tag auf die Ostseite des Kaiserstuhls – und schlie?lich wieder nach Hause. Zwar um einiges ?rmer, aber daf?r auch reicher an Erfahrungen und unvergesslichen Eindr?cken.