Weltuntergang mit Sti(e)l

22. Dezember 2012

Jede anst?ndige Apokalypse sollte durch etwas sp?tr?mische Dekadenz geadelt werden. Schlie?lich ist so ein formidabler Weltuntergang nicht alle Tage zu erleben, da er ja meist aller Tage Ende ist. Also gilt es, die Wartezeit bis zum drohenden Gottesgericht angemessen zu nutzen – mit einer ?ppigen Vorspeisenplatte zum Beispiel. Andere haben eher einen passenden Aperitif im Sinn und ?berlegen, mit welchen Flaschen sie ihre letzten Stunden verbringen m?chten.  Zu dieser Gruppe geh?ren auch solche Leute wie Weinblogger, denn sollte es mit dem versprochenen Ende dann doch nichts werden, gibt es wenigstens Stoff, ?ber den sich trefflich schreiben l?sst, wie die folgenden Zeilen beweisen. Zum Behufe einer gesteigerten Einsicht in den Zyklus von Anfang und Ende verbieten sich nat?rlich jegliche Kompromisse bei der Qualit?t:

Weine zum Weltuntergang

Castello dei Rampolla, Toskana, Vigna d‘ Alceo,  1997
Brombeere, Pflaume, Zimt, schwarzer Peffer, ein wenig reife Banane, weiche, reife Tannine, sch?ne F?lle, sehr harmonisch, 94 Punkte

Château Montrose, St. Estèphe, 1995
typische Bordeauxnase, rotfruchtig, Bitterschokolade, Leder und Rauch, Schlehenaroma, dezent gr?ne Paprika, feste Tannine, dichter Unterbau, schlank, k?nnte am Gaumen etwas geschmeidiger und druckvoller sein, 92 Punkte

Robert Mondavi, Napa Valley, Cabernet Sauvignon Reserve, 1999
dunkelfruchtig, Holunder, Zimt, Leder, ein Hauch Kakao und Butter, kr?ftige Tannine, ausgewogen und dennoch lebhaft, 93 Punkte

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac, 1995
dunkle Fr?chte, unglaublich dicht, Tabak, feine Kr?uternoten, zeigt Frische und ist hervorragend ausbalanciert, weiteres Potenzial, 94 Punkte

Barolo 1990 – Best Ager oder doch Hospiz?

17. Dezember 2012

Gerne sagt man dem Barolo ein enormes Alterungspotenzial nach – ein Umstand, dem viele dieser Weine  aus ?lteren Jahrg?ngen einen oft mehr als stattlichen Preis verdanken. Doch Mythen sind nun mal dazu da, sich an ihrem Wahrheitsgehalt messen zu lassen und der Ern?chterung wirkt dann manchmal nur das schnelle ?ffnen einer ganz anderen Flasche entgegegen. Doch genug des Kryptischen: Zwei echte Hausnummern der Langhe aus dem hoch gelobten Jahrgang 1990 durften sich dem Alterungs-Check unterwerfen:

Podere Rocche dei Manzoni, Barolo Riserva „Vigna d`La Roul“

recht wild und ungeb?rdig, etwas Kakao und Kirsch, medizinal, nicht ohne F?lle, erdig, dabei aber auch schon Jod und unverkennbar nasser, alter Lappen, 87 Punkte

Bartolo Mascarello, Barolo
?ber dem H?hepunkt, Tabak, viel Jod, stark sockig, au?erdem eine spitze, dominante S?ure, 84 Punkte

Fairerweise muss festgestellt werden, dass diese Weine sich zwar einen ganzen Abend wie beschrieben pr?sentierten,  sie aber zwei Tage sp?ter  merklich besser waren: Die Alterungsnoten waren l?ngst nicht mehr so dominant, der Gesamteindruck harmonischer, wenn auch nicht ?berzeugend. Gemessen an den Erwartungen war das dennoch deutlich zu wenig.

Rotweinpreis 2012 – von heimlichen Siegern und Verlierern

15. November 2012

Bei den Pr?sentationen des deutschen Rotweinpreises bieten die Weing?ter neben ihren Siegerweinen stets auch einen Querschnitt ihrer anderen Weine zum Verkosten an. Hier lohnt es sich immer, etwas genauer hinzuschauen:  Was ist der Stil des Hauses? Wie pr?sentieren sich die unterschiedlichen Jahrg?nge? Lassen sich St?rken und Schw?chen herausfinden? Nat?rlich stellt sich so ein Bild von Jahr zu Jahr immer etwas anders da, doch ein paar aufschlussreiche Tops und Flops – im Folgenden ausschlie?lich auf die Rotweine bezogen – konnte man dieses Jahr in Fellbach schon besichtigen.

So war der Siegerwein vom Weingut F?rst zu Hohenlohe-?hringen (2. Platz Lemberger – Lemberger Verrenberger Verrenberg GG 2010, 87+ Punkte) genauso ein Gro?es Gew?chs wie unverst?ndlicherweise auch der Sp?tburgunder Verrenberger Verrenberg GG 2009: unklare Nase, s?uerlich, ausgesprochen unharmonisch, 83-84 Punkte. Nicht mal der 2010er Ex flammis orior konnte diesmal so ?berzeugen, wie man es bei seinem Preis eigentlich erwarten sollte (immerhin 88 Punkte). Eine eher durchwachsene Kollektion stellten auch die Weing?rtner vom Collegium Wirtemberg vor – allen voran der Sp?tburgunder Réserve Kult! 2009 entt?uschte (84 P.). Hier konnte man sich aber wenigstens auf die Lemberger verlassen: Neben dem eigentlichen Sieger ist hier der ein Jahr ?ltere Lemberger Grande Réserve Kult! 2008 mit 89 Punkten zu nennen. Auch sonst fanden sich in den Kollektionen einige Weine, die ihre im selben Haus erzeugten Siegerweine ?bertrafen:
Drautz-Able, W?rttemberg, Jodokus „Hades“ 2009 – 89+ Punkte
Philipp Kuhn, Pfalz, Pinot Noir „Steinbuckel“ GG 2009 – 91 Punkte
Lauffener Weing?rtner, W?rttemberg, „Vinitiative“ 2009 – 90 Punkte
Ruppert-Deginther, Rheinhessen, Dornfelder 2010 – 88 Punkte
Eine Erw?hnung wert ist in jedem Fall – auch wenn nicht ganz in diese Reihe passend, da die Wertung des drittplatzierten Sp?tburgunders Simonroth R nicht ganz erreichend – der formidable Rainer Schnaitmann Merlot*** 2011 mit 90+ Punkten. Interessanterweise ist dieses Jahr einer der teuersten deutschen Rotweine leer ausgegangen: Zwei Jahrg?nge des Sp?tburgunder RRR vom Weingut Seeger aus Leimen/Baden haben es trotz des stolzen Preises von 120 ? diesmal nicht auf das Treppchen geschafft. F?r eine lobende Erw?hnung in der aktuellen „Vinum“ hat es dennoch gereicht und die Hoffnung darauf, dass diese Weine einfach etwas sp?ter durchstarten, ist ja vielleicht gar nicht so unrealistisch wie der Kaufpreis.