Chilenische Rotweinelite im Vergleich

12. Februar 2013

Wer chilenische Weine mit gro?er, teils ?berbordender Fruchtf?lle gleichsetzt, hat meist gar nicht so unrecht. Die meisten dieser Weine sind schon sehr fr?h zug?nglich und werden auch f?r den baldigen Konsum produziert. Doch was ist mit der Spitze der chilenischen Rotweine, wenn diese ins gesetztere Alter ger?t? Laut Hugh Johnson sind die „ambitioniertesten Roten“  zwar l?nger haltbar, „doch l?sst sich dar?ber streiten, ob sie sich nach dem 5. Jahr noch weiter entfalten.“ Das lie?e sich nat?rlich nur im Jahrgangsvergleich kl?ren – wie sich die Elite aus dem Jahr 1996 heute pr?sentiert, ist aber f?r sich gesehen ja auch recht aufschlussreich:

Viña Quebrada de Macul, Cabernet Sauvignon „Domus Aurea“
herbe Fruchtnote (Berberitze, Holunder),  vegetabil (Johannisbeerbl?tter, Brennessel), rote Paprika,  88 Punkte

Discover Wine, „Montes Alpha M“
vielversprechende Bordeauxnase, Tabak, Holzkiste, wirkt s??er, f?llt am Gaumen aber ab, 89 Punkte

Robert Mondavi / Eduardo Chadwick, „Seña“
feines Heidelbeeraroma, Nougat, Leder, Tr?ffel, Teer, leicht rauchig, dabei ein Hauch Orange, feine, gut eingebundene S?ure, 92 Punkte

Casa Lapostolle, Cabernet Sauvignon „Cuvée Alexandre“
Karamell- und R?staromen, Nelke, etwas (Johannisbeer-)Blattwerk, kr?ftige, dabei geschliffene Tannine, Mineralit?t und Tiefe, 93 Punkte

De Martino, Cabernet Sauvignon „Reserva de Familia“
R?staromen, etwas Kaffee und Karamell, herbe Heidelbeerfrucht,  schon etwas (fl?chtiges) Jod, herbes Finish, 90 Punkte

Baron Philippe de Rothschild / Concha y Toro, „Almaviva“
Teer, Blut, Rosenholz, Tabak, etwas wild, viel Extrakt, Dichte, eher stumpf, 90 Punkte

Santa Rita, Cabernet Sauvignon „Casa Real“
ziemlich unnahbar und hart, wenig Mundf?lle, dennoch kraftvoll, etwas Veilchen, erdig, 89 Punkte

Chardonnay – eine italienische Erfolgsgeschichte

25. Januar 2013

Chardonnay 1995 ItalienNoch gar nicht so lange her ist es, dass der Chardonnay in Italien nicht unter seinem eigenen Namen auftreten durfte und – h?ufig im gemischten Satz – als Pinot bianco bezeichnet wurde. Erst in den 1980ern wurde Chardonnay als wertvolle, eigenst?ndige Sorte ernst genommen und ist von der Anbaufl?che mittlerweile die Nummer vier bei den italienischen Wei?weinen. Dass sie qualitativ zur Spitze geh?rt und dabei auch ein beachtliches Alterungspotenzial besitzt, zeigte eine Verkostung norditalienischer Vertreter aus dem Spitzenjahrgang 1995:

Poderi Aldo Conterno, „Bussiador“
ein w?rziger, mineralischer Wein mit charmanten Reifet?nen: etwas Karamell, Honig und eine Rosinennote, die  erst mit Luft dezent zur Geltung kommt.  Wirkt durch die lebhafte S?ure bei aller Kraft recht schlank. 92 Punkte

Pio Cesare, „Piodilei“
Mandelaroma, braune Butter, kr?utrig, rauchig und etwas Harz, dazwischen ein Hauch Aprikose. Wirkt etwas ausgezehrt. 88 Punkte

Produttori Colterenzio – Schreckbichl, „Cornell“
feine Rauchnote, buttrig, getrocknete Ananas, kr?ftige S?ure. Mit etwas Luft dezente Grapefruit, Kakao und Karamell; kr?utrig-kantig. 90 Punkte

Silvio Jermann, „Where the Dreams have no end…“
kraftvoller Wein mit merklichem S??eeindruck, Honig, Tannennadeln, Harz, etwas Apfel und Blaubeeren, rund,  w?re mit mehr Struktur ein gro?er Wein. 91 Punkte

Barbera d’Alba 1997

7. Januar 2013

Wie bei so vielen italienischen Weinen hat auch der Barbera eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Schlie?lich ist es noch nicht so lange her, dass manch billiger Barbera-Wein Mitte der 1980er Jahre mit Methanol „veredelt“ wurde – bei t?dlichen Folgen. Ein gutes Jahrzehnt sp?ter wurden von den besten Erzeugern l?ngst hochwertige und vielschichtige Weine aus dieser Traube gekeltert, die auch heute noch gut trinkbar sind, wie eine kleine Vergleichsprobe zeigte.

Corino, Vigna Pozzo, Barbera d’Alba 1997
Bitterschokolade, mediterrane Kr?uter, balsamische Noten, etwas Lakritz und Fruchtgummi, kr?ftige S?ure, leichter bis mittlerer K?rper, reif, 89 Punkte

Mauro Molino, Vigna Gattere, Barbera d’Alba 1997
schwarzer Tee, etwas Minze, buttrig, samtig, sch?ne Dichte und Fleischigkeit, 91 Punkte

Enzo Boglietti, Vigna dei Romani, Barbera d’Alba 1997
etwas Teer, Kirsche, Heidelbeere, Zimt, Kaffee, gr?ne Paprika, recht weich, Alkohol ist deutlich zu schmecken, 90 Punkte

Zu guter Letzt gab es dann noch einen s??en und h?chst willkommenen Fremdk?rper im Barberavergleich:

Ernst Triebaumer, Ruster Ausbruch, Burgenland-?sterreich, 2006
konzentrierte, gelbe Fr?chte, Pfirsich, Rosinen, Tannenhonig, feine W?rze, eine Spur Karamell, bei aller Kraft nicht aufdringlich und kaum s?ttigend – 95 Punkte