Chardonnay – eine italienische Erfolgsgeschichte

25. Januar 2013

Chardonnay 1995 ItalienNoch gar nicht so lange her ist es, dass der Chardonnay in Italien nicht unter seinem eigenen Namen auftreten durfte und – h?ufig im gemischten Satz – als Pinot bianco bezeichnet wurde. Erst in den 1980ern wurde Chardonnay als wertvolle, eigenst?ndige Sorte ernst genommen und ist von der Anbaufl?che mittlerweile die Nummer vier bei den italienischen Wei?weinen. Dass sie qualitativ zur Spitze geh?rt und dabei auch ein beachtliches Alterungspotenzial besitzt, zeigte eine Verkostung norditalienischer Vertreter aus dem Spitzenjahrgang 1995:

Poderi Aldo Conterno, „Bussiador“
ein w?rziger, mineralischer Wein mit charmanten Reifet?nen: etwas Karamell, Honig und eine Rosinennote, die  erst mit Luft dezent zur Geltung kommt.  Wirkt durch die lebhafte S?ure bei aller Kraft recht schlank. 92 Punkte

Pio Cesare, „Piodilei“
Mandelaroma, braune Butter, kr?utrig, rauchig und etwas Harz, dazwischen ein Hauch Aprikose. Wirkt etwas ausgezehrt. 88 Punkte

Produttori Colterenzio – Schreckbichl, „Cornell“
feine Rauchnote, buttrig, getrocknete Ananas, kr?ftige S?ure. Mit etwas Luft dezente Grapefruit, Kakao und Karamell; kr?utrig-kantig. 90 Punkte

Silvio Jermann, „Where the Dreams have no end…“
kraftvoller Wein mit merklichem S??eeindruck, Honig, Tannennadeln, Harz, etwas Apfel und Blaubeeren, rund,  w?re mit mehr Struktur ein gro?er Wein. 91 Punkte

Barbera d’Alba 1997

7. Januar 2013

Wie bei so vielen italienischen Weinen hat auch der Barbera eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Schlie?lich ist es noch nicht so lange her, dass manch billiger Barbera-Wein Mitte der 1980er Jahre mit Methanol „veredelt“ wurde – bei t?dlichen Folgen. Ein gutes Jahrzehnt sp?ter wurden von den besten Erzeugern l?ngst hochwertige und vielschichtige Weine aus dieser Traube gekeltert, die auch heute noch gut trinkbar sind, wie eine kleine Vergleichsprobe zeigte.

Corino, Vigna Pozzo, Barbera d’Alba 1997
Bitterschokolade, mediterrane Kr?uter, balsamische Noten, etwas Lakritz und Fruchtgummi, kr?ftige S?ure, leichter bis mittlerer K?rper, reif, 89 Punkte

Mauro Molino, Vigna Gattere, Barbera d’Alba 1997
schwarzer Tee, etwas Minze, buttrig, samtig, sch?ne Dichte und Fleischigkeit, 91 Punkte

Enzo Boglietti, Vigna dei Romani, Barbera d’Alba 1997
etwas Teer, Kirsche, Heidelbeere, Zimt, Kaffee, gr?ne Paprika, recht weich, Alkohol ist deutlich zu schmecken, 90 Punkte

Zu guter Letzt gab es dann noch einen s??en und h?chst willkommenen Fremdk?rper im Barberavergleich:

Ernst Triebaumer, Ruster Ausbruch, Burgenland-?sterreich, 2006
konzentrierte, gelbe Fr?chte, Pfirsich, Rosinen, Tannenhonig, feine W?rze, eine Spur Karamell, bei aller Kraft nicht aufdringlich und kaum s?ttigend – 95 Punkte

Weltuntergang mit Sti(e)l

22. Dezember 2012

Jede anst?ndige Apokalypse sollte durch etwas sp?tr?mische Dekadenz geadelt werden. Schlie?lich ist so ein formidabler Weltuntergang nicht alle Tage zu erleben, da er ja meist aller Tage Ende ist. Also gilt es, die Wartezeit bis zum drohenden Gottesgericht angemessen zu nutzen – mit einer ?ppigen Vorspeisenplatte zum Beispiel. Andere haben eher einen passenden Aperitif im Sinn und ?berlegen, mit welchen Flaschen sie ihre letzten Stunden verbringen m?chten.  Zu dieser Gruppe geh?ren auch solche Leute wie Weinblogger, denn sollte es mit dem versprochenen Ende dann doch nichts werden, gibt es wenigstens Stoff, ?ber den sich trefflich schreiben l?sst, wie die folgenden Zeilen beweisen. Zum Behufe einer gesteigerten Einsicht in den Zyklus von Anfang und Ende verbieten sich nat?rlich jegliche Kompromisse bei der Qualit?t:

Weine zum Weltuntergang

Castello dei Rampolla, Toskana, Vigna d‘ Alceo,  1997
Brombeere, Pflaume, Zimt, schwarzer Peffer, ein wenig reife Banane, weiche, reife Tannine, sch?ne F?lle, sehr harmonisch, 94 Punkte

Château Montrose, St. Estèphe, 1995
typische Bordeauxnase, rotfruchtig, Bitterschokolade, Leder und Rauch, Schlehenaroma, dezent gr?ne Paprika, feste Tannine, dichter Unterbau, schlank, k?nnte am Gaumen etwas geschmeidiger und druckvoller sein, 92 Punkte

Robert Mondavi, Napa Valley, Cabernet Sauvignon Reserve, 1999
dunkelfruchtig, Holunder, Zimt, Leder, ein Hauch Kakao und Butter, kr?ftige Tannine, ausgewogen und dennoch lebhaft, 93 Punkte

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac, 1995
dunkle Fr?chte, unglaublich dicht, Tabak, feine Kr?uternoten, zeigt Frische und ist hervorragend ausbalanciert, weiteres Potenzial, 94 Punkte