Keine Angst vor reifem Chardonnay

22. August 2013

Chardonnay 1996Dass gro?e Weine aus der Chardonnaytraube hervorragend altern k?nnen, bewies wieder einmal eine exklusive Verkostung internationaler Topweine aus dem Jahrgang 1996. Sechs Chardonnays aus den vier gr??ten Anbauregionen f?r diese wei?e Hauptsorte zeigten eindrucksvoll, ?ber welche Vielschichtigkeit sie verf?gen – auch wenn sie l?ngst ihrer Fruchtphase entwachsen sind.

Louis Carillon et Fils, Côte d’Or Bourgogne, Puligny-Montrachet „Les Champs-Canet“ 1er Cru
ger?stetes Brot, etwas Akazie, feine kr?utrige Noten, bei aller weichen Textur schlank und frisch, gute Balance, 91 Punkte

Jean Noël Gagnard, Côte d’Or Bourgogne, Chassagne Montrachet „Clos de la Maltroye“ 1er Cru
Bl?tenpollen, Grapefruit, Kieferzapfen, getrocknete Aprikosen, erinnert in der Nase etwas an einen Single Malt, auch etwas Powiddl und einen Hauch Kakaobohne, dabei eine dezente Brotnote. Sch?ne Mineralik und Frische, hervorragende Dichte und  Komplexit?t. 95 Punkte

Mer Soleil Vineyard, Central Coast California, „Mer Soleil“
dunkel-gelbe Farbe, Bienenwachs und angenehme Brott?ne, die Klebstoffnote verfl?chtigt sich mit der Zeit, stattdessen entwickeln sich nussige und karamellige Aromen; sch?ne Dichte und hervorragende L?nge, 93 Punkte

Leeuwin Estate, Margaret River Western Australia, „Art Series“
leider oxidativ, zeigt dennoch Armagnac, getrocknete Aprikosen und Butternoten, besitzt dabei ordentlich S?ure, o.W.

Ca‘ del Bosco, Franciacorta Italia, Chardonnay
sehr feiner Wein, aber kein Charmeur: absolut straight, stahlig, etwas Grapefruit, kr?ftige S?ure, wirkt fast etwas spr?de, 91 Punkte

Beringer Vineyards, Napa Valley California, „Private Reserve“
Kaffeenote, kr?ftig bl?tenpollig, etwas Fruchtgummi, dabei leicht animalisch, im Abgang recht wild. 90 Punkte

Drink local – ein Weizenbierexperiment

14. August 2013

Die baden-w?rttembergische Landeshauptstadt kennt man zwar als Stadt des Weines -  mit  423 ha Anbaufl?che geh?rt sie zu den gr??ten Weinbaugemeinden in Deutschland – doch als Stadt des Weizenbieres ist Stuttgart vermutlich nicht einmal den Eingeborenen gel?ufig. Kein Wunder, schlie?lich haben es hier gerade einmal zwei Weizenbiermarken zu einiger Bekanntheit gebracht. Doch bei einem Vergleich aller in Stuttgart gebrauten und in der Halbliterflasche erh?ltlichen Weizenbiere gab es auch jenseits von Malteser und Sanwald einiges zu entdecken.

Einen wirklich guten Eindruck hinterlie?en Malteser dunkel von Stuttgarter Hofbr?u und das Wei?bier von Cast. Ersteres mit seiner ?berzeugenden Ausgewogenheit, zweiteres mit ?berraschenden, aber sch?nen Aprikosen- und Karamellnoten. Im Gegensatz zum Sanwald hell war das dunkle Sanwald von Dinkelacker-Schwabenbr?u mit seiner feinen malzigen Note recht angenehm zu trinken. Auch das in Stuttgart gebraute Hefeweizen der ehemals in Metzingen ans?ssigen Brauerei Br?uchle, die heutzutage zu Dinkelacker-Schwabenbr?u geh?rt, ist zu empfehlen, wohingegen sich beim Klosterweizen von Siegel bei aller Geschmacksf?lle die Geister schieden. Ein nicht weniger polarisierendes Bier ist das Weizen der Hausbrauerei Wichtel mit seiner starken W?rze und Rauchigkeit – nichts was dem Gaumen schmeichelt, aber mit viel Charakter. D?nner dagegen Das Weizen von Schwabenbr?u mit einer leichten, pilzigen W?rznote; s?ffig, aber auch eher d?nn das helle Malteser von Hofbr?u und eindeutig auf dem letzten Platz das schon erw?hnte helle Sanwald mit einer schalen, stumpfen S?uerlichkeit. Gut, dass man auch in Stuttgart problemlos an bayerische Wei?biere kommt.

Gro?es Kino aus Frankreich

29. Juli 2013

Zugegeben: ?ber zwei hoch angesehene und herausragende Wei?weine schreiben zu d?rfen, ist kein unl?sbares Problem. Eher schon ein Luxusproblem im eigentlichen Wortsinne und dazu eines, das sich leider viel zu selten stellt.
Der Marsanne eines Pioniers des biodynamischen Weinbaus im Tal der n?rdlichen Rhone und der Chardonnay eines gro?en K?nners aus dem Burgund sind so eigenst?ndige wie fordernde Monumente franz?sischer Winzerkunst:

M. Chapoutier, Ermitage de L’Orée, 2005
stammt von 50 – 70 Jahre alten Marsanne-Rebst?cken; wirkt bei aller intensiven W?rzigkeit, Extrakts??e und feiner Honigaromatik keineswegs schwer. Starke Mineralik, Jasmin, Aprikosen, N?sse, reife ?pfel, etwas Brennnessel, 93 Punkte.

Domaine des Comtes Lafon, Meursault Charmes, 1er Cru, 2005
hochintensive und konzentrierte mineralische Noten, viel Grapefruit, fein entwickelte Holznote, gelbe Fr?chte, dezente Ankl?nge an Kakaobohnen, schlank und elegant mit einem feinen Schmelz. Enorme L?nge, hat noch viel Potenzial. 94 Punkte.