Kurztrip durch Spanien

28. Dezember 2025

Wie so oft zum Jahresende steigt die Lust auf Besonderes. Passend zur Jahreszeit gab es mal wieder gut gereifte Rotweine. Die vielversprechenden Vertreter aus fünf verschiedenen Weinregionen Spaniens konnten jedoch nur zum Teil überzeugen.

Mas Alta, Priorat, La Creu Alta 2007
blaubeerig, würzig, rosinig, etwas Teer, samtig, rundes Tannin und schöne Eleganz, 95 Punkte

Familia Castano, Yecla, Casa de la Cera 2014
Pflaumenmus, kräutrig, Berberitze, ziemlich glatt, mit leichter Schärfe, 92 Punkte

Roda, Rioja, Reserva 2003
speckig, etwas Minze, dunkles Fruchtgummi, Frische, elegant, straff und lang, 94 Punkte

Descendientes de J. Palacios, Bierzo, Villa de Corullon 2011
Kirsche und Brombeere, Pfeffernoten, Dörrpflaumen, Datteln, kantiger Charakter, 93 Punkte

Remelluri, Rioja, Granja Remelluri Gran Reserva 2012
süßwürzig, Veilchen, etwas Holunderfrucht, ätherisch und füllig, aber ohne große Harmonie, 92 Punkte

Alejandro Fernandez, Ribera del Duero, Pesquera Millenium Reserva 2008
dunkelbeerig, Graphit, erinnert etwas an frische Hopfendolden, fester Körper, 94 Punkte

Europäer in Neuseeland

13. Dezember 2025

Ziemlich genau am anderen Ende der Welt begegnen einem gar nicht so wenige Weine, die als klassisch für die alte Welt gelten – und deren Erzeuger aus eben jener alten Welt stammen. Im Fall der verkosteten Pinot Noirs sogar überwiegend aus der deutschsprachigen Welt: Hans Herzog und Georg Fromm (Schweiz) im Norden der Südinsel, Karl-Heinz Johner und Kai Schubert (Deutschland) sowie Wim Julicher (Niederlande) gegenüber im Süden der Nordinsel. Kein Wunder, sind die klimatischen Verhältnisse den mitteleuropäischen doch ziemlich vergleichbar:

Hans Family Estate, Marlborough, Pinot Noir 2010
feine Röstaromen, Rosmarin, Veilchen, kräftige Säure, eher leichtgewichtig und rustikal, 91 Punkte

Fromm Winery, Marlborough, Pinot Noir Clayvin Vineyard 2010
Dörrobst, dunkelbeerig, etwas Nelke und Wacholder, geräucherte Paprika, weich, samtig, eher flach, 91 Punkte

Schubert Wines, Wairarapa, Pinot Noir ‚Block B‘ 2010
schöne Röstaromen, Dörrpflaumen, kräutrig und ledrig, eingebundene Menthol- und Wacholdernote, dezent rotbeerig, dabei geschliffen, präzise und elegant, 95 Punkte

Julicher Estate, Wairarapa, Pinot Noir 2010
viel Himbeere und Pflaume, recht süßwürzig, füllig, aber weniger vielschichtig, 91 Punkte

Johner Estate, Wairarapa, Pinot Noir Reserve 2010
rote Johannisbeeren, Röstaromen, grüne Noten, etwas vegetabil, dabei schöne Fülle am Gaumen und mit langem Abgang, 93 Punkte

Viel Lärm – um was?

30. November 2025

In der Konsumwelt entstehen manchmal urplötzlich Hypes, deren Zustandekommen nur schwer erklärbar ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese dann auch oft schnell wieder abebben – wohingegen wirklich Gutes sich bestenfalls auch längerfristig durchsetzen kann.
Seit einigen Jahren gibt es im Weinbereich ein Beispiel, das sich zwar jenseits des Horizonts der meisten Weinfreunde abspielt, aber dafür nicht weniger eindrucksvoll ist: Maison Glandien aus dem Burgund. Den L’Ouverture gibt es als blanc und als rouge. Nur wo? Nicht im regulären Weinhandel und auch nicht ab Hof, jedenfalls nicht für Normalsterbliche (auf der Flasche gibt es keinen Hinweis auf den Ort). Nach einiger Recherche stößt man auf den Namen Tino Kuban, der in Meursault seine Weinlagen biodynamisch bewirtschaftet. Auf dem Sekundärmarkt gehandelt und in sozialen Netzwerken gefeiert sind diese Weine, um es vorwegzunehmen, eigenständige, puristische Charakterweine. Aber auch ihren ziemlich stolzen Preis wert? Eher nicht:

Maison Glandien, L’Ouverture blanc 2021
aus der Rebsorte Aligoté: birnig, Flieder, floral, etwas Grapefruitaroma, frisch wirkend, dabei eher säuremild, 90 Punkte

Maison Glandien, L’Ouverture rouge 2021
rauchig, speckig, animalisch, fast brausig, süßwürzige Nase, etwas braune Butter, grüner Pfeffer, aber kaum Dichte und Länge, 88 Punkte