Ein Schluck vom Lagerfeuer

10. April 2011

Whisky Single MaltWas beim Wein schwer vorstellbar w?re, funktioniert bei Whisky wunderbar: Aromen von Nagellack, Desinfektions-mittel und Rinde k?nnen durchaus Spa? machen. Diese Noten waren beim gro?en Whiskytasting mit 6-g?ngigem Dinner am 9. April im ArsVivendi in Gerlingen aber eher am Rande zu finden. Das Aromarad, das diese neben vielen weiteren Geruchsempfindungen veranschaulicht, war dennoch eine gute Einordnungshilfe f?r die sechs verkosteten schottischen Single Malts, die Brand Ambassador Michael Sabah vom Highland Circle mitgebracht hatte. Viel Wissen ?ber Herstellung, Destillerien und Whiskycharaktere, sch?ne Bilder von Islay, Skye und den Highlands und unterhaltsame Anekdoten zuhauf gab es von ihm dazu, was einen ziemlich gelungenen Abend garantierte. Die Auswahl der Whiskys konnte sich sehen lassen:

  • Glenkinchie, 12 Jahre (Lowland)
    eher mild, Karamell, getrocknete Aprikose, Vanille
  • Dalwhinnie, Distillers Edition, 15 Jahre (Highland)
    fruchtig, rosinig, Feige, rund (hat 2. Lagerung im Sherryfass mitgemacht)
  • Royal Lochnagar, 12 Jahre (Highland)
    getrocknete Fr?chte, leicht torfig, eher mild
  • Oban, 14 Jahre (Coastal West)
    ?lig, rauchig, etwas Karamell, Honig im Abgang, langer Nachhall
  • Caol Ila, Distillers Edition 12 Jahre (Islay)
    sehr intensiv, rauchig, medizinal, wie „ein Schluck vom Lagerfeuer“, Meeresbrise, Zitrus (perfekt zum gegrillten Calamari)
  • Talisker, 18 Jahre (Isle of Skye)
    sehr ?lig und intensiv, harmonisch, ein Hauch von L?sungsmittel, weicher Cognac, lang anhaltend (laut Whisky Magazin der weltbeste Single Malt Whisky in 2007) und perfekter Schlusspunkt der Probe

Genossen k?nnen auch anders: Jungwinzerprojekte auf ProWein vorgestellt

6. April 2011

Sie hei?en Next Generation, Vision Heuchelberg, Junge Winzer oder Vinitiative und sie sind junge Genossen der Weing?rtnergenossenschaften Fellbach, Heuchelberg, Mundelsheim und Lauffen am Neckar. Sie wollen neue Wege gehen, setzen ganz auf Qualit?t und sind dabei ziemlich kompromisslos. Schauen, was m?glich ist, „den Wein auf die Spitze treiben“, ist das Credo der Jungwinzer und dass viele von ihnen bei Ausbildung und Auslandsaufenthalten weit ?ber den Tellerrand der heimischen Genossenschaften hinaus schauen konnten, tut den Weinen ganz sicher gut.
Die Rotweincuvée 2008 der vinitiative Lauffen ist so ein Ergebnis, das spontan beeindruckt. Diese Premiere ist ein sehr dichter, kr?ftiger Wein mit viel Frucht, Schmelz und sch?nen R?staromen, der zeigt was in W?rttemberg m?glich ist, wenn man auf starke Ertragsreduzierung (35 kg/Ar, Halbierung der Trauben) und sehr gesundes Traubengut achtet. Maischeg?rung und Barriqueausbau sind selbstverst?ndlich. Auf die n?chsten Ergebnisse darf man gespannt sein.

Auf der ProWein bei Elio Altare

2. April 2011

Elio Altare auf der ProWein 2011Die meisten St?nde streift nur ein kurzer Blick, bei dem einen oder anderen Anbieter lohnt ein kurzer Abstecher, dann geht es wieder weiter. Nicht so beim Stand der Weinagentur von Elena Altare, die einige namhafte Weine aus dem Piemont pr?sentiert und ihren ber?hmten Vater gleich mitgebracht hat. Erst gibt es nur ein freundliches Gespr?ch mit der Tochter und eine Verkostung, die sich zwischen hervorragenden Barbera und Baroli bewegt, dann betritt Elio Altare selbst die Szene.
Wer einmal erleben m?chte, wieso zur Produktion von Weinen, die regelm??ig in aller Welt zu den besten ihrer Art gez?hlt werden, nicht allein handwerkliches K?nnen und sorgf?ltige Arbeit ausreicht, dem w?re so ein Gespr?ch mit dem „Revolution?r des Barolo“ unbedingt einmal geg?nnt. Eine halbe Stunde ist jedenfalls selten so schnell vergangen.

Gegen den Widerstand seines Vaters hatte der junge Elio, inspiriert vom Burgund, das Weingut radikal modernisiert. Fortan wurde nicht mehr auf Menge produziert und chemische Spritzmittel sowie k?nstliche D?nger radikal aus den Weinbergen verbannt. Den B?den sollte das Leben wieder zur?ckgegeben werden. Das Barriquefass erhielt Einzug und die Weine sollten fr?her zug?nglich werden.
Damals, bei seinem Vater hie? es immer, man m?sse halt einfach viele Jahre warten k?nnen, bis ein Barolo trinkreif w?re. Doch wann war es dann soweit? „Niemals, nie“ ereiferte sich Elio Altare, doch ein guter Wein m?sse jederzeit mit Genuss zu trinken sein.

Wie bei seinen eigenen Baroli: Der Brunate 2007 und der Cerretta aus 2005 (der nach der Abf?llung noch zwei weitere Jahre auf der Flasche reift, bevor er in den Verkauf gelangt – man muss sich also noch etwas gedulden) sind grandiose Weine (95 Punkte).

Dann hat er noch etwas zu der „Unart“ zu sagen, dass heutzutage Weing?ter immer h?ufiger von wohlhabenden Unternehmern oder Anw?lten aufgekauft w?rden. Von „Entrepreneurs“, die meinten, sich so ohne weiteres als „Vignerons“ versuchen zu k?nnen um Topweine – so quasi nebenbei – zu produzieren.
Wenige Augenblicke zuvor ist der frisch gebackene Weingutsbesitzer G?nter Jauch direkt an diesem Stand vorbeimarschiert. Was es wirklich hei?t, guten Wein zu machen, h?tte er hier besser als irgendwo sonst erfahren k?nnen.