Cabernet Sauvignon aus den Neunzigern

6. März 2013

Manchmal muss der Genuss von ein paar gro?en Weinen einfach sein, vor allem wenn – wie jedes Jahr um diese Zeit – weinm??ig  die L.E.-Juryarbeit im Vordergrund steht. Weit mehr als nur eine willkommene Abwechslung boten drei Cabernet Sauvignon aus den 90er Jahren:

Robert Mondavi, Oakville 1995
Leder, Bittermandel, dunkle Beerenfr?chte, Holunder, balsamisch, straff und fest gewirkt mit gro?er Dichte und Kraft, 92 Punkte

Abadia Retuerta, Pago Valdebellón 1996
eingelegte Fr?chte, Birne, Kompott, fl?chtige Butteraromen, Schokolade, Mandel, ein Hauch Chili, wirkt dabei etwas stumpf und das Alter ist ihm schon ein wenig anzumerken, 90 Punkte

Fattoria Le Pupille, Saffredi 1995
sehr pr?sent, opulente Nase, Pflaumenmus, dunkle Kirsche, Kakao, Teer, getrocknete mediterrane Kr?uter, kr?ftige S?ure, gute Balance, langer Nachhall, 94 Punkte

Die Weisheit der Weine

19. Februar 2013

Im Wein liegt Wahrheit, hei?t es. Nicht in uns, wenn wir ihn trinken und allm?hlich ehrlich oder auch banal werden. In ihm selbst nat?rlich, so wie er sich zu Wort meldet: beim Schmecken, wenn er zu wilden Assoziationen f?hrt, nach dem Schlucken, wenn er l?ngst vergessene Geschmackspapillen noch einige Momente triumphierend besetzt h?lt oder wenn er uns noch aus tiefsten Abgr?nden gr??t, indem er ohne Vorwarnung ein B?uerchen veredelt. Gerade dann sollte man besonders wachsam sein. Eine Epiphanie aus der Magengrube ist einem Deus ex machina in puncto Erkenntnis mindestens ebenb?rtig, wenn auch leider ?hnlich selten.

So eindrucksvoll wie verg?nglich diese Art der Wahrheit auch ist, sie schmeckt nicht jedem. Dass sie mancher nicht vertr?gt oder ihm gar sauer aufst??t, kann sowohl am Wein als auch am Trinker liegen. An der fehlenden Reife eines der beiden Akteure beispielsweise. Im Zweifelsfall m?ge man sich umgehend mit einem weiteren Los bewaffnen, aufs Neue mit der Erkenntnissuche beginnen und ganz entspannt auf ?berraschende Einsichten hoffen. ?ber welchen Kanal auch immer sie gesendet werden.

Chilenische Rotweinelite im Vergleich

12. Februar 2013

Wer chilenische Weine mit gro?er, teils ?berbordender Fruchtf?lle gleichsetzt, hat meist gar nicht so unrecht. Die meisten dieser Weine sind schon sehr fr?h zug?nglich und werden auch f?r den baldigen Konsum produziert. Doch was ist mit der Spitze der chilenischen Rotweine, wenn diese ins gesetztere Alter ger?t? Laut Hugh Johnson sind die „ambitioniertesten Roten“  zwar l?nger haltbar, „doch l?sst sich dar?ber streiten, ob sie sich nach dem 5. Jahr noch weiter entfalten.“ Das lie?e sich nat?rlich nur im Jahrgangsvergleich kl?ren – wie sich die Elite aus dem Jahr 1996 heute pr?sentiert, ist aber f?r sich gesehen ja auch recht aufschlussreich:

Viña Quebrada de Macul, Cabernet Sauvignon „Domus Aurea“
herbe Fruchtnote (Berberitze, Holunder),  vegetabil (Johannisbeerbl?tter, Brennessel), rote Paprika,  88 Punkte

Discover Wine, „Montes Alpha M“
vielversprechende Bordeauxnase, Tabak, Holzkiste, wirkt s??er, f?llt am Gaumen aber ab, 89 Punkte

Robert Mondavi / Eduardo Chadwick, „Seña“
feines Heidelbeeraroma, Nougat, Leder, Tr?ffel, Teer, leicht rauchig, dabei ein Hauch Orange, feine, gut eingebundene S?ure, 92 Punkte

Casa Lapostolle, Cabernet Sauvignon „Cuvée Alexandre“
Karamell- und R?staromen, Nelke, etwas (Johannisbeer-)Blattwerk, kr?ftige, dabei geschliffene Tannine, Mineralit?t und Tiefe, 93 Punkte

De Martino, Cabernet Sauvignon „Reserva de Familia“
R?staromen, etwas Kaffee und Karamell, herbe Heidelbeerfrucht,  schon etwas (fl?chtiges) Jod, herbes Finish, 90 Punkte

Baron Philippe de Rothschild / Concha y Toro, „Almaviva“
Teer, Blut, Rosenholz, Tabak, etwas wild, viel Extrakt, Dichte, eher stumpf, 90 Punkte

Santa Rita, Cabernet Sauvignon „Casa Real“
ziemlich unnahbar und hart, wenig Mundf?lle, dennoch kraftvoll, etwas Veilchen, erdig, 89 Punkte