Von der Avantgarde zum Kult – Toskanas Weinelite

31. Januar 2015

Guado al Tasso, Lupicaia, Sassicaia und Ornellaia sind Weinnamen, die bei vielen Weinliebhabern ehrf?rchtige Reaktionen hervorrufen. Stehen diese doch musterhaft f?r eine Qualit?tsoffensive im toskanischen Weinbau, die in den 1970er Jahren (Sassicaia, Tignanello) ihren Anfang nahm, in den Achtzigern an Fahrt gewann (u.a. Ornellaia) und in den 90ern mit neuen Supertuscans (Lupicaia, Guado al Tasso etc.) endg?ltig in der Weltspitze ankam. In K?stenn?he und dort besonders in Bolgheri setzten Cabernet-dominierte Bordeaux-Mischs?tze Ma?st?be.

Doch wie pr?sentieren sich diese Marksteine nach ann?hernd 20 Jahren der Reifung, werden sie ihrem Kultstatus nach wie vor wirklich gerecht? Eine nicht ganz eindeutige Antwort:

Tenuta del Terriccio, Lupicaia 1995
k?rperreiche Cuvée aus 85 % Cabernet Sauvignon, 10 % Merlot und 5 % Petit Verdot; Brombeere, Holunderlaub, Zimt, etwas Teer, blutig, erdig-vegetabile Noten, 91 Punkte

Tenuta Belvedere, Guado al Tasso 1995
60 % Cabernet Sauvignon, 40 % Merlot; siruphafte Anmutung, balsamisch, kr?ftige Kr?uterw?rze, tannennadelig, d?rrstielige Strenge, komplex, verliert im Finale an Druck, 90 Punkte

Tenuta dell`Ornellaia, Ornellaia 1995
76 % Cabernet Sauvignon, 18 % Merlot, 6 % Cabernet Franc; hervorragend ausbalanciert durch sch?ne F?lle und gleichzeitig prononcierte Strenge, kirschig-rotfruchtig, Leder, kr?utrig, lang, 94 Punkte

Tenuta San Guido, Sassicaia 1995
85 % Cabernet Sauvignon, 15 % Cabernet Franc; Rum-Trauben-Nuss-Schokolade, etwas Karamell, Doldenbl?tler, Kakaobohne, frische S?ure, ?berzeugend, ohne zu begeistern, 91 Punkte

 

Mehr als nur ?berseepower

18. Januar 2015

Zwei gut gereifte Kraftpakete riefen nach ?ffnung und wurden erh?rt:

Vina Tarapaca Ex Zavala, Milenium 1996
Von einem der traditionsreichsten Weing?ter Chiles stammt diese Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot, die sich reichhaltig und gut strukturiert zeigt: Pflaume, Leder, Graphit, Zimt, blutig, angenehme R?staromen, reife Tannine und hervorragende Balance, 93 Punkte

Rosemount Estate, Balmoral Syrah 1998
Mit den f?r australischen Shiraz oft typischen Schwarzteearomen, ?ppig-dick, blaubeerig,  Fruchtgummi, Mandeln,  etwas Kaffee und Schokolade, 90 Punkte

Burgunder zum Rutsch

4. Januar 2015

Der Heilige des Tages gab die Order aus, und so wurden einige ?ltere deutsche Burgunder aus dem Keller gezaubert. Ob Papst Silvester I. seine Freude an diesen Weinen gehabt h?tte, ist nat?rlich reine Spekulation. Die Genussrunde, die sich an seinem Namenstag zusammenfand, hatte es jedenfalls mit einer nicht durchg?nigig ?berzeugenden Kollektion zu tun, was bei manchen hochgehandelten Namen schon eine kleine Entt?uschung war. Los ging es jedenfalls b?renstark:

Karl H. Johner, Wei?er Burgunder „SJ“ 2000
gold- bis bernsteinfarben, frisch, gelbfruchtig, Zitrus, Tannennadelw?rze, etwas Honig, feine S?ure und elegantes Holz, 93 Punkte

Ziereisen, Pinot Noir „Jaspis“ Alte Reben 2004
dunkelfarbig, kr?ftig-stoffig, Teer, Graphit, Lakritz, rauchig, dezent beerig, etwas seifig, gute Balance, 90 Punkte

Knab, Sp?tburgunder *** Endinger Engelsberg 2002
burgunderfruchtig-rotbeerig, etwas Graphit, sch?ne W?rze, ausgewogene S?ure, 91 Punkte

Karl H. Johner, Blauer Sp?tburgunder „SJ“ 2000
hellfruchtig, frisch, gute Konzentration, leichte Bitternote, im Abgang etwas spitz, 89 Punkte

Sch?n gepasst h?tte au?erdem, wenn denn aufgund eines Flaschenfehlers nicht ungenie?bar, ein 2003er Philippi Sp?tburgunder „R“ vom Weingut Koehler-Ruprecht.

?berzeugen konnte dann allerdings der frisch degorgierte Winzersekt von Rainer Schnaitmann, Evoé! Blanc de Noirs 2011 (Pinot Noir und Pinot Meunier) mit Frucht, Rassigkeit und Eleganz (92 Punkte).