B?rklin-Wolf Grand Cru Jahrgangsvertikale

22. Dezember 2008

Die Grand Cru Rieslinge des pf?lzischen Weingutes B?rklin Wolf geh?ren sicherlich zu den feinsten in Deutschland ?berhaupt. Das qualitativ wie quantitativ (90 Hektar) ganz oben mitspielende Weingut aus Wachenheim hat seit 2005 komplett auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt. Eine Vertikalprobe von neun der interessantesten Jahrg?nge dieses qualitativ wie quantitativ – ca. 90 Hektar – ganz oben mitspielenden Weinerzeugers aus Wachenheim versprach jedenfalls sehr interessant zu werden. Die ohnehin sehr hohen Erwartungen der acht Teilnehmer wurden dann auch keineswegs entt?uscht.

Bei den Weinen aus den Lagen Gaisb?hl, Pechstein, Kalkofen und Kirchenst?ck gab es f?r die meisten Teilnehmer vor allem zwei Favoriten, beide aus dem Jahr 1998: Gaisb?hl und Kirchenst?ck. War der Gaisb?hl vor allem durch F?lle und L?nge bei Noten von Orange, Rhabarber und Ankl?ngen an Quitte und Petrol gekennzeichnet (94 Punkte), war dem Kirchenst?ck noch eine ?berraschend lebhafte S?ure anzumerken. Butter, Kaffee und eine geradezu anspringende Pr?senz machten auch diesen Wein au?erordentlich interessant (93).

Mit sehr frischen Aromen wusste der jugendliche 2007er Gaisb?hl zu begeistern – zarte Noten von Weinbergpfirsich und Limonen standen neben einer knackigen S?ure (91). Aus der selben Lage bewies der Jahrgang 2003 warum er f?r Wei?weine oft so schwierig war. Das extrem hei?e und trockene Jahr hatte hier einen eher schwerf?lligen und bereits leicht oxidierten Wein hervorgebracht (88). Im Gegensatz zu seinem Jahrgangskollegen aus dem Pechstein. Ebenfalls sehr stoffig bot dieser neben starken mineralischen Noten Aprikose und Eiskonfekt in der Nase (92). Zitrus- und etwas Kokosaromen bei leichten Bittert?nen kennzeichneten den Pechstein 1999 (91) wohingegen man dem zwei Jahre ?lteren Lagenvertreter seine gesunde Reife anmerkt (reifer Apfel, Zimt, Honig). Der Kollege aus dem Kirchenst?ck 2005 war da nicht ganz so ?berzeugend, etwas unharmonisch und s?uredominiert besitzt er Mineralit?t und Feigenaromen (89).

Alles in allem eine sehr gelungene Probe auf hohem Niveau, die einmal gezeigt hat welch unterschiedliche Weincharaktere bei unterschiedlichen Jahrg?ngen und Lagen auf einem einzigen Weingut m?glich sind.

Im Degustationsdelirium. Ein Rundgang ?ber die Weinpr?sentation im Zeppelinhotel Stuttgart

23. November 2008

F?r die einen ist der November ja nur ein Monat der Tristesse und Traurigkeit, den es so gut wie m?glich zu ?berleben gilt. Andere lieben ihn gerade aus eben diesem Grunde. F?r den Weintrinker ist es dagegen Arbeit. Freudvolle Arbeit nat?rlich. Es gibt eine Vielzahl an Weinproben, meist von Fachgesch?ften, die das Weihnachtsgesch?ft im Blick haben. Eine andere Veranstaltung war die j?hrlich stattfindende Pr?sentation vom 2. November im Steigenberger Hotel Graf Zeppelin in Stuttgart. Im noblen Ambiente stellte sich, wie in den Jahren zuvor, ein Teil der deutschen Weinelite dem geladenen Publikum vor: Dr. Heger, Salwey, Schloss Proschwitz, K?hling-Gillot, Knipser, Schloss Saarstein, K?nstler, Wirsching, Aldinger und Drautz-Able.

Viel Licht und viel Schatten gab es dabei zu „besichtigen“.  Viel Grund, den hochgelobten 2007er Jahrgang so herauszuheben, wie es in den Medien teilweise geschah, gab es jedenfalls nicht. Einige  erfreuliche Highlights seinen hier kurz angef?hrt,     selbstverst?ndlich ohne vollst?ndig sein zu wollen oder  den Anspruch zu haben, irgendjemandem gerecht zu     werden.

Von Aldinger wussten das Cuvée A, 2007 aus Chardonnay und Wei?burgunder, das unverkennbar im Barrique ausgebaut wurde und der Fellbacher L?mmler Sp?tburgunder**, gleicher Jahrgang, zu ?berzeugen (beide 89 Punkte). Sein W?rttemberger Kollege Drautz-Able konnte da nur mit dem Jodokus Rotwein Hades 2005 einigerma?en mithalten (88). Wirsching aus Franken hat vor allem einen Preis-Leistungssieger zu bieten: die trockene Scheurebe Sp?tlese 2007 f?r 11,50 ? (88). Die gleiche Bewertung bei acht Euro mehr bekam der Riesling Gro?es Gew?chs aus dem Julius-Echter-Berg. Weine aus einem insgesamt niedrigeren Preissegment bot Schloss Saarstein, konnte dabei aber auch besser ?berzeugen als manch anderer Kollege. Herausgehoben sei nur die Riesling Sp?tlese feinherb 2007 mit 89 Punkten. Ebenso in der Breite ?berzeugend war das Weingut Salwey aus Baden. Die gro?en Gew?chse aus Grau- und Wei?burgunder waren gleicherma?en gro?artig (91).
K?hling-Gillots zwei gro?e Gew?chse vom Riesling (Sacktr?ger und ?lberg, 2007) sind zwar preislich ein St?ck auseinander, jedoch nicht beim Trinkspa?, den sie bieten (beide 90). Auf ?hnlichem Niveau bei g?nzlich anderer Geschmacksrichtung sind die Scheurebe Auslese edels?? von Schloss Proschwitz, 2007 und bei Rotwein Dr. Hegers Sp?tburgunder Ihringer Winklerberg, Barriqueausbau 2005 (89) anzusiedeln.
Knipser ist zwar eigentlich Rotweinspezialist, erw?hnt werden sollen aber zwei aktuelle Wei?weine: Riesling Sp?tlese trocken Kalkmergel und das Gro?e Gew?chs, Himmelreich mit jeweils 89 Punkten. Zu loben w?re noch, wen wundert´s, das Weingut K?nstler aufgrund der Goldkapsel Riesling trocken vom Hochheimer Kirchenst?ck 2007 (90 Punkte).

Das sei es dann auch gewesen mit dem Parforce-Ritt durch eine doch recht umfangreiche Pr?sentation. Im Einzelfall wurde zwar die eine oder andere Hoffnung etwas entt?uscht, andererseits verspricht das gute Potenzial vieler Weine fraglos einen hohen Trinkgenuss in einigen Jahren. Die n?chste Zukunft erst einmal aber noch einige spannende Verkostungen, dem November sei Dank.

Das Remstal zeigt, was es kann

28. Februar 2008

Ohne Gastwinzer aus Stuttgart diesmal und dennoch nicht weniger interessant als in fr?heren Jahren: Vom 16. bis 17. Februar bot der 12. Weintreff der Remstal-Route seinen Besuchern in der Alten Kelter in Fellbach mehr als 160 Weine von 40 Winzern aus dem Remstal. Gelohnt hat es sich allemal, viel Zeit mit zu bringen, auch wenn die Weine doch von sehr unterschiedlicher Qualit?t waren.

Geboten war letztlich f?r alle etwas. Weine von vier bis 32 Euro, Weine f?r den traditionellen Viertelesschlotzer, der es gerne etwas lieblicher mag und f?r den ambitionierten Weinfreund, der beispielsweise Cuvees nach internationalem Vorbild verkosten konnte.

F?r letzteren stellte sich nat?rlich auch die Frage, ob sich unter all den angebotenen Weinen so etwas wie ein regionaltypischer Charakter erkennen lie?e – jenseits einer leider immer noch anzutreffenden, durch Maischeerhitzung enstandenen, eindimensionalen S??lichkeit, versteht sich. Dabei kann von Einheitlichkeit sonst eigentlich gar keine Rede sein. Nicht nur die sogenannte Elite experimentiert immer mehr mit Sorten, die urpr?nglich keineswegs ins Remstal geh?rten. Die diversen Neuz?chtungen aus der Cabernet-Traube finden immer st?rkere Verbreitung, Merlot, Zweigelt und Sauvignon Blanc haben schon seit einiger Zeit ihre Freunde. Und das zu Recht! Gerade die wei?e Sauvignon Blanc und der rote Zweigelt, letzterer sonst nur aus ?sterreich bekannt, erzielen erstaunliche Ergebnisse rechts und links der Rems. Kein Wunder also, dass sich zwei der erstmalig stattfindenden kommentierten Extra-Weinproben, f?r die die Sommeličre Nathalie Lumpp und der Vinum-Chefredakteur Rudolf Knoll gewonnen werden konnten, sich diesen beiden Sorten widmeten.  Wusste beim Sauvignon Blanc vor allem das Weingut Schnaitmann mit dem 2007er (88 Punkte – eigene Bewertung) zu ?berzeugen, war es beim Zweigelt an vorderster Front der Altmeister J?rgen Ellwanger mit seinem „Hades“ 2005 (91 P). Aber gerade hier wurde deutlich, dass nicht nur die arrivierten Weing?ter etwas zu bieten haben. Stellvertretend f?r manche kleineren Weing?ter sei hier ein Zweigelt f?r gerade mal etwas mehr als 6 Euro genannt: der Geradstettener Lichtenberg, 2005 vom Weingut Hof-Mayerle (87 P).

Doch stehen f?r W?rttemberg nat?rlich andere Weine: Trollinger, der allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle auf der Probe spielte, Riesling, Sp?tburgunder und seine nahen Verwandten Samtrot und Fr?hburgunder, die allerdings mengenm??ig eher als Spezialit?ten anzusehen sind und nat?rlich Lemberger. Gerade bei dieser Sorte lassen sich die unterschiedlichen Philosophien der Weinmacher gut ablesen: von fruchtbetont und elegant bis zu m?chtig und barriquedominiert. Empfehlenswert u.a. Karl Haidles 2005er aus dem Barrique (88 P), Medingers 2006er Auslese (88 P) und der filigrane 2006er Lemberger*** vom Weingut Siegloch-Kl?pfer (87P).

Immer wieder fanden sich auf dem Fellbacher „Weintreff“ auch recht gelungene Cuvčes, v.a. bei den Rotweinen. Hier sind z.B. die Cuvée M vom Weingut Heid (89 P), „Dux“ vom Weingut Herzog von W?rttemberg (89 P) und „Simonroth“ aus Merlot und Cabernet von Schnaitmann (89 P) zu nennen.

Insgesamt eine Probe, die das Potenzial dieser Region gut verdeutlichen konnte und neugierig macht auf die weitere Entwicklung dieser doch sehr heterogenen Weinwelt des Remstals.

mallg