Barbera d’Alba 1997

7. Januar 2013

Wie bei so vielen italienischen Weinen hat auch der Barbera eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Schlie?lich ist es noch nicht so lange her, dass manch billiger Barbera-Wein Mitte der 1980er Jahre mit Methanol „veredelt“ wurde – bei t?dlichen Folgen. Ein gutes Jahrzehnt sp?ter wurden von den besten Erzeugern l?ngst hochwertige und vielschichtige Weine aus dieser Traube gekeltert, die auch heute noch gut trinkbar sind, wie eine kleine Vergleichsprobe zeigte.

Corino, Vigna Pozzo, Barbera d’Alba 1997
Bitterschokolade, mediterrane Kr?uter, balsamische Noten, etwas Lakritz und Fruchtgummi, kr?ftige S?ure, leichter bis mittlerer K?rper, reif, 89 Punkte

Mauro Molino, Vigna Gattere, Barbera d’Alba 1997
schwarzer Tee, etwas Minze, buttrig, samtig, sch?ne Dichte und Fleischigkeit, 91 Punkte

Enzo Boglietti, Vigna dei Romani, Barbera d’Alba 1997
etwas Teer, Kirsche, Heidelbeere, Zimt, Kaffee, gr?ne Paprika, recht weich, Alkohol ist deutlich zu schmecken, 90 Punkte

Zu guter Letzt gab es dann noch einen s??en und h?chst willkommenen Fremdk?rper im Barberavergleich:

Ernst Triebaumer, Ruster Ausbruch, Burgenland-?sterreich, 2006
konzentrierte, gelbe Fr?chte, Pfirsich, Rosinen, Tannenhonig, feine W?rze, eine Spur Karamell, bei aller Kraft nicht aufdringlich und kaum s?ttigend – 95 Punkte

Weltuntergang mit Sti(e)l

22. Dezember 2012

Jede anst?ndige Apokalypse sollte durch etwas sp?tr?mische Dekadenz geadelt werden. Schlie?lich ist so ein formidabler Weltuntergang nicht alle Tage zu erleben, da er ja meist aller Tage Ende ist. Also gilt es, die Wartezeit bis zum drohenden Gottesgericht angemessen zu nutzen – mit einer ?ppigen Vorspeisenplatte zum Beispiel. Andere haben eher einen passenden Aperitif im Sinn und ?berlegen, mit welchen Flaschen sie ihre letzten Stunden verbringen m?chten.  Zu dieser Gruppe geh?ren auch solche Leute wie Weinblogger, denn sollte es mit dem versprochenen Ende dann doch nichts werden, gibt es wenigstens Stoff, ?ber den sich trefflich schreiben l?sst, wie die folgenden Zeilen beweisen. Zum Behufe einer gesteigerten Einsicht in den Zyklus von Anfang und Ende verbieten sich nat?rlich jegliche Kompromisse bei der Qualit?t:

Weine zum Weltuntergang

Castello dei Rampolla, Toskana, Vigna d‘ Alceo,  1997
Brombeere, Pflaume, Zimt, schwarzer Peffer, ein wenig reife Banane, weiche, reife Tannine, sch?ne F?lle, sehr harmonisch, 94 Punkte

Château Montrose, St. Estèphe, 1995
typische Bordeauxnase, rotfruchtig, Bitterschokolade, Leder und Rauch, Schlehenaroma, dezent gr?ne Paprika, feste Tannine, dichter Unterbau, schlank, k?nnte am Gaumen etwas geschmeidiger und druckvoller sein, 92 Punkte

Robert Mondavi, Napa Valley, Cabernet Sauvignon Reserve, 1999
dunkelfruchtig, Holunder, Zimt, Leder, ein Hauch Kakao und Butter, kr?ftige Tannine, ausgewogen und dennoch lebhaft, 93 Punkte

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac, 1995
dunkle Fr?chte, unglaublich dicht, Tabak, feine Kr?uternoten, zeigt Frische und ist hervorragend ausbalanciert, weiteres Potenzial, 94 Punkte

Barolo 1990 – Best Ager oder doch Hospiz?

17. Dezember 2012

Gerne sagt man dem Barolo ein enormes Alterungspotenzial nach – ein Umstand, dem viele dieser Weine  aus ?lteren Jahrg?ngen einen oft mehr als stattlichen Preis verdanken. Doch Mythen sind nun mal dazu da, sich an ihrem Wahrheitsgehalt messen zu lassen und der Ern?chterung wirkt dann manchmal nur das schnelle ?ffnen einer ganz anderen Flasche entgegegen. Doch genug des Kryptischen: Zwei echte Hausnummern der Langhe aus dem hoch gelobten Jahrgang 1990 durften sich dem Alterungs-Check unterwerfen:

Podere Rocche dei Manzoni, Barolo Riserva „Vigna d`La Roul“

recht wild und ungeb?rdig, etwas Kakao und Kirsch, medizinal, nicht ohne F?lle, erdig, dabei aber auch schon Jod und unverkennbar nasser, alter Lappen, 87 Punkte

Bartolo Mascarello, Barolo
?ber dem H?hepunkt, Tabak, viel Jod, stark sockig, au?erdem eine spitze, dominante S?ure, 84 Punkte

Fairerweise muss festgestellt werden, dass diese Weine sich zwar einen ganzen Abend wie beschrieben pr?sentierten,  sie aber zwei Tage sp?ter  merklich besser waren: Die Alterungsnoten waren l?ngst nicht mehr so dominant, der Gesamteindruck harmonischer, wenn auch nicht ?berzeugend. Gemessen an den Erwartungen war das dennoch deutlich zu wenig.