Ein Korb voll Edelsteine

7. Dezember 2009

Welch Ironie: der beste Winzer W?rttembergs macht seine Weine nur nebenbei, im Nebenerwerb. Da m?gen sich Aldinger, Schnaitmann und Co noch so anstrengen, an Albrecht Schweglers  gro?e Rotweine aus Korb im Remstal kommen sie einfach nicht heran. Auch wenn das Eichelmann und Gault Millau nicht ganz so streng sehen, der Erkenntnis, dass Schwegler mit seinem Granat, der nur in den besten Jahren erzeugt wird, ganz oben in Deutschland mitspielt, kann sich niemand verweigern. Der 2006er Granat besteht aus Zweigelt, Merlot und Cabernet Franc und ist mit 45 ? zwar preislich top, bekommt aber auch 93+ Punkte. Sein Kollege aus 2003 ist schon weiter entwickelt und zeigt neben gro?er Dichte und Komplexit?t auch ein unglaubliches Cassisaroma (93). Der Saphir, 2006, aus Zweigelt und Merlot ist mit seinen kr?ftigen Holzaromen eigentlich ein heruntergestufter Granat und deutet sein gro?es Potenzial deutlich an (90). Der Beryll ist dagegen ein leichterer Barrique-Wein mit sch?ner Frucht und Eleganz (88). Bemerkenswert ist auf jeden Fall auch ein Wein, der seine Entstehung einer Katastrophe verdankt: Ein intensiver Hagel hat vom Jahrgang 2008schwegler-hagelschlag.jpg zun?chst kaum etwas ?brig gelassen. Aus den Zweigelttrauben, die danach noch gewachsen sind, zauberte Schwegler einen Blanc de Noir mit – wenig ?berraschend – sehr viel S?ure, die dem ?u?erst feingliedrigen Wein aber sehr gut steht (Hagelschlag 30.5.08, 87-88 Punkte). Desweiteren wurde im Jahr 2007 auch ein Kerner in einer feinherben (86) und einer s??en Variante (86+) produziert und au?erdem d’r Oifache in der Literflasche (85). Diese ordentliche Cuvèe aus Trollinger, Zweigelt und Regent ist der deutlich g?nstigste Rotwein und schont den Geldbeutel, ohne zu entt?uschen.

Bordeaux total in Stuttgart

12. November 2009

M?venpick Stuttgart feiert sein 10-j?hriges Jubil?um – sehr zur Freude der Kunden – seit Wochen mit verschiedenen Extra-Weinproben. Darunter auch ein echtes Highlight: der Bordeaux Parcours mit René Gabriel. Ob er der Robert Parker Europas sei, wurde der Bordeaux-Experte und Autor einst gefragt, wohl eher sei dieser „der René Gabriel Amerikas“, so der ?u?erst launige Schweizer. Blockweise stellte der M?venpick-„Consultant“ seine Auswahl an unterschiedlichen Bordeaux-Weinen vor, bevor den gut 100 G?sten Gelegenheit zum Verkosten gegeben wurde. gabriel.jpgEntdeckungen abseits von Medoc und St. Emilion konnte man ebenso machen, wie den gro?en Namen begegnen. Doch vielleicht war es gerade so ein gro?er Name, bzw. die damit verbundene hohe Erwartung, die dazu f?hrte, von einem sehr guten Wein dann doch etwas entt?uscht zu sein. Aus der Karaffe wurde eine Doppelmagnum von Mouton-Rothschild aus 2001 gereicht, die sich zwar unglaublich dicht, fein gewebt mit sch?nen kr?utrigen und ledrigen Aromen pr?sentierte, sich aber keineswegs von seinen weit g?nstigeren „Kollegen“ deutlich absetzen konnte (91-92 Punkte). Gleichwertig oder fast gleichwertig waren Chateau Ferrière 2006, Margaux („ein Traumwein“) und Chateau Tronquoy Lalande, 2005 (ein Cru Bourgeois!) aus St. Estephe. Eher entt?uschend dagegen der 12. und letzte Wein des Abends, ein Sauternes von Chateau Coutet, 2001, aber das ist f?r jemanden, der deutsche Riesling-Beerenauslesen und TBA’s sch?tzt, nicht wirklich verwunderlich.

Das Gros der Weine lag ?brigens in einem ?u?erst moderaten Preisrahmen, zwischen 11 ? (der gelungene Ch. La Tuilière, Les Armoiries“, 2004) und 30 ?. Die Weine aus dem Bordelais bieten einfach, auch ohne teuer zu sein, ein sehr charakteristisches Geschmacksbild, viel mehr als „einen Fr?chtekorb“, den man „viel billiger als Bordeaux“ haben kann, so Gabriel. Quasi aus erster Hand dann noch das Versprechen auf den 2009, der ein ganz au?erordentlich gelungener Jahrgang, „der beste vielleicht“ seit sehr langer Zeit, sein werde. Man darf gespannt sein.

Viel mehr als Riesling – Ann?herungen an die n?rdliche Nahe

3. November 2009

Etwa in H?he der Salinen, s?dlich von Bad Kreuznach, ?ndert sich der Landschaftscharakter pl?tzlich komplett. Auf dem Weg nach Norden weichen die steil abfallenden Felskanten, die eben noch das Bild des mittleren Nahetals dominierten, einer weit ge?ffneten Ebene. Im Hintergrund sind allm?hlich wieder ausgedehnte Weinh?nge zu sehen.

Die n?rdliche Nahe und die Orte Bretzenheim und Langenlonsheim wirken jetzt nach der Weinlese recht verschlafen, laden aber bei der gro?en Winzerdichte nat?rlich trotzdem zu interessanten Weinerkundungen ein. Die erste Entdeckung ist dabei ziemlich unverhofft und umso erfreulicher. plettenberg-grauburgunder.jpgDas gewaltige Gutshaus der Familie von Plettenberg bietet nicht nur f?r die ?bernachtung ein besonderes Ambiente voll zauberhaften, morbiden Charmes, sondern auch eine Grauburgunder Sp?tlese aus eigenem Weinberg. G?ste des Hauses finden diesen sortentypischen, cremigen und ?u?erst eleganten Wein immer gut gek?hlt im K?hlschrank der Besucherk?che vor (Reichsgraf von Plettenberg, Grauburgunder Sp?tlese trocken 2008, 87+ Punkte).

Nur wenige Gehminuten entfernt ist die Strau?wirtschaft des Weinguts Meurer. Zu unschlagbar g?nstigen Preisen kann man dort nicht nur sehr gut und rustikal essen, sondern auch eine Vielzahl von ordentlich gemachten Weinen probieren. Auf der Preisliste finden sich leider ziemlich viele liebliche Weine, aber zumindest die trockenen 2008er Sp?tlesen von Riesling und Chardonnay k?nnen mit viel Trinkfreude wirklich ?berzeugen.

Der n?rdlich gelegene Nachbarort Langenlonsheim beheimatet allerdings die namhafteren Winzerbetriebe. In diesem langgezogenen Weindorf findet man zwar so gut wie keine M?glichkeit, sich f?r anstehende Weinproben eine Essensgrundlage zu schaffen, daf?r aber um so bekanntere Weinerzeuger wie Tesch, B?rgermeister Willi Schweinhardt und den Demeterbetrieb Zw?lberich. schweinhardt.jpgMit 33 Hektar ist das mitten im Ort gelegene Gut Schweinhart zweifellos eines der gro?en. Die unterschiedlichen B?den bringen dabei ganz unterschiedliche Weincharaktere hervor. Sch?n zu „erschmecken“ ist das bei den Rieslingen, von denen vor allem die preisgekr?nte Riesling Terrasse vom Langenlonsheimer Rothenberg 2008 (88+ Punkte) aus dem Rotschieferboden zu nennen ist. F?r unter 10 ? ist besonders der Wei?e Burgunder vom L?hrer Berg (87 Punkte) erw?hnenswert, der dem Grauburgunder um mehr als eine Nasenl?nge voraus ist. Auch auf den Sp?tburgunder versteht man sich hier – bei sehr zur?ckhaltenden Preisen. Schon der einfache 2007er ?berzeugt mit feiner Frucht (86 Punkte) und der Barrique-Sp?tburgunder 2007 fasziniert mit ausgepr?gter Nase und sch?ner Aromenf?lle (88 Punkte). Und das nicht mal f?r 10 Euro! Vieles g?be es hier noch zu entdecken (Cabernet, Merlot, Fr?hburgunder, au?erdem verschiedene edels??e Weine und Br?nde…).

ueber-langenlonsheim.jpgNur wenige hundert Meter entfernt, am Rande der Weinberge, findet sich das Demeter-Weingut Zw?lberich – benannt nach dem Gebiet, das sich hinter dem Haus erstreckt. Von der Probierstube, wo man sich viel Zeit nimmt, reicht der Blick weit ins benachbarte Rheingau hin?ber. Auch hier wird ein breites Sortiment an Rebsorten auf immerhin 20 Hektar angebaut. Doch nicht der Riesling erscheint mir bei der gereichten Auswahl am interessantesten, sondern die Spezialit?ten. Neben einem gut gemachten Auxerrois (QbA 2007, 86 Punkte), der bis in Auslesequalit?t auf der Lage Guldentaler Rosenteich produziert wird, geh?rt dazu eine barriquegereifte Fr?hburgunder Auslese mit rauchigen Noten und L?nge (Langenlonsheimer Steinchen 2007, 89 Punkte). Dem beinahe ?berreif wirkenden Sp?tburgunder aus dem Barrique ist er weit ?berlegen. Der Grauburgunder Alte Reben 2008 (89 Punkte) mit Kraft und Cremigkeit ist ebenso gelungen wie die wei?e Cuvee Z aus Riesling, Grauburgunder und Auxerrois (2008, 88 Punkte), die im Barrique gereift ist. Der kr?nende Abschluss vor einer ausf?hrlichen Kellerbegehung: eine Riesling Beerenauslese aus 2005 (93 Punkte) mit reifem Bl?tenhonignoten und seidiger Eleganz.

Was kann  danach noch kommen? Am n?chsten Tag bei der R?ckreise im Zug nur etwas ganz anderes – die sogenannte Herrenhandtasche. Hauptbestandteil: Flensburger Pilsener, herbw?rzig und frisch, mindestens 90 Punkte und auch aus der Flasche hervorragend.